Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Heft 2005-2: Editorial

 

Die Vorträge und Reden beim Symposion, das am 1. Juni 2005 aus Anlass des achtzigsten Geburtstags von Rolf Rendtorff in Heidelberg stattfand, werden hier, für den Druck überarbeitet, dokumentiert und bilden den Hauptteil dieses Heftes. Alle, die referiert haben, sind nicht nur mit Rolf Rendtorff freundschaftlich verbunden. Sie thematisieren auch in ihren Beiträgen einige wichtige Aspekte des Werks und dessen Wirkung. Erich Zenger (Münster), der selbst einige Jahre geschäftsführender Herausgeber unserer Zeitschrift war, würdigt Rolf Rendtorffs Beiträge zu verschiedenen Feldern in der alttestamentlichen Wissenschaft. Diese Laudatio zeigt auf, welche internationalen Diskurse von Rolf Rendtorff auch selbst initiiert worden sind und welche Bedeutung seine Person und sein Werk nicht zuletzt auch für ein mittlerweile selbstverständlich gewordenes Gespräch zwischen christlichen und jüdischen Bibelwissenschaftlern hat. Für den fruchtbaren Austausch über verschiedene Lesarten der Hebräischen Bibel ebenso wie über wissenschaftliche Konsensbildungen und deren Infragestellungen quer zur Herkunft ihrer Vertreter und Vertreterinnen hat er unermüdlich gewirkt. Frank Crüsemann (Bethel) und Jürgen Ebach (Bochum) thematisieren zwei grundlegende theologische Problemkomplexe im Gespräch christlicher Alttestamentler mit Juden, nämlich den Monotheismus und den Kanon. Beide haben für die jeweilige Identitätsstiftung christlicher und jüdischer Kollektive grundlegende Bedeutung. Und beide sind auch durch ihre jeweils unterschiedlichen Gestaltwerdungen im Judentum und im Christentum zentrale Gegenstände für ein solches Gespräch. Dementsprechend nimmt Gerd Theißen (Heidelberg) einen Faden davon aus neutestamentlicher Sicht auf, nämlich den der „monotheistischen Dynamik“, die sich im zweiten Teil des christlichen Doppelkanons findet. Einem anderen, damit zusammenhängenden Komplex widmen sich Ekkehard W. Stegemann und Wolfgang Stegemann. Sie machen sich Gedanken zur Entstehung des Christentums und zu der Frage, die Krister Stendahl vor mehr als drei Jahrzehnten aufgeworfen hat, nämlich ob etwa am Anfang etwas „falsch gelaufen“ sei. Edna Brocke beleuchtet schließlich eine Thematik, die für Rolf Rendtorff zur Wahrnehmung des Judentums immer wichtig war, nämlich der Staat Israel, und zwar aus der Perspektive des Verhältnisses von Zivilgesellschaft und Religion und vis à vis der unterschiedlichen nationalstaatlichen Konzepte in Europa und Israel.


Unsere Zeitschrift ist Rolf Rendtorff zu großem Dank verpflichtet. Er war nicht nur derjenige, der zu ihrer Gründung vor zwanzig Jahren die Initiative ergriffen hat. Er hat sie auch seitdem als langjähriger Schriftleiter und Mitglied des Herausgeberkreises unermüdlich gefördert und mitgestaltet. Wenn wir darauf zurückschauen, möchten wir wenigstens noch eins in die Dankbarkeit einschließen, das neben dem Lob der wissenschaftlichen Brillanz und Kreativität, der intellektuellen Fruchtbarkeit und dem theologischen, kirchlichen und politischen Engagement zu würdigen ist, nämlich das humane Ethos von Rolf Rendtorff, das in all diesen Aktivitäten nach unserer Meinung grundlegend ist. Rolf Rendtorff ragt für uns aus seiner Generation hervor als einer, der nach der Katastrophe, die durch nichts zu heilen ist, alles in seiner Arbeit als Theologe und auf den unterschiedlichsten gesellschaftspolitischen Feldern daran gemessen hat, ob es Bestand hat vor der Verantwortung, die zumal einem Deutschen nach und wegen der Schoah erwächst. Die absolute Ehrlichkeit darüber, wie schmerzlich und tief berührend sie auch ist, hat im Herausgeberkreis, sicher aber auch bei vielen Leserinnen und Lesern der Zeitschrift eine menschliche Achtung und Verbundenheit mit ihm bewirkt und bewährt, die mit Freundschaft nur schwach zu benennen ist. Als Redaktionsmitglieder möchten wir es aber auch nicht versäumen, der Theologischen Fakultät Heidelberg, namentlich dem Dekan, Herrn Prof. Dr. Helmut Schwier, und Herrn Prof. Dr. Jan Chr. Gertz, sowie der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, namentlich dem Prorektor, Herrn Prof. Dr. Manfred Oeming, und Frau Prof. Dr. Hanna Liss, dafür zu danken, dass sie das Symposion und den Festakt organisiert und mitgestaltet haben. Ferner danken wir dem Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Baden für seine finanzielle Unterstützung.


Auf die weiteren Beiträge sei noch kurz hingewiesen. Hans Hermann Henrix nimmt das vierzigjährige Jubiläum von Nostra Aetate zum Anlass, sich Gedanken über die Katholische Kirche und das Judentum heute zu machen.  

 

Gabrielle Oberhänsli-Widmer setzt ihre Rubrik „Klassiker der jüdischen Literatur“ mit einer Relektüre von Jakob Wassermanns „Die Juden von Zirndorf“ fort. In der Dokumentation drucken wir einen Text von Franz Mußner (Passau) zum angeblichen Hostienfrevel der Juden in Passau 1478 anlässlich der Anbringung einer Erinnerungstafel ab.


Last but definitely not least findet sich wieder am Schluss eine Bücherschau von Julie Kirchberg. Link


Die Herausgeberinnen und Herausgeber

 

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