Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Diskussionsimpuls zur Lage in Israel/Palästina

Evangelische Kirche im Rheinland Düsseldorf, 09.09.2011


   Seit einiger Zeit wird der menschenrechtlich immer prekärer werdenden Situation von Christen in Nahost mit Recht mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Außer in Israel, wo Christinnen und Christen unbehindert ihre Religion ausüben können und ihre absolute Zahl noch steigt, sind sie in arabischen Staaten hohem Druck ausgesetzt. Man kann geradezu von Verfolgung reden. Eine nicht repräsentative Gruppe palästinensischer Christen hat im Dezember 2009 ein Dokument veröffentlicht, das der Ökumenische Rat der Kirchen unter dem Titel „Kairos Palästina“ weltweit verbreitet. Die propagandistische Absicht ist, diesem Dokument eine Aufmerksamkeit zu verschaffen, die es eigentlich nicht verdient. Denn das berühmte Kairos-Dokument, das südafrikanische Christen gegen die Apartheidspolitik 1985 veröffentlicht haben, hatte Anhalt an der Wirklichkeit ihrer Erfahrungen. Das Kairos-Palästina-Dokument ist jedoch eine parteiische Erklärung, die nur Israel für schuldig erklärt und „Hochachtung“ ausdrückt für Palästinenser, die für ihre Nation ihr Leben gelassen haben, wobei terroristische Mörder nicht ausgeschlossen wurden. Dazu kommt, dass das Dokument eine alte christliche Tradition antijüdischer Bibelauslegung und Dogmatik fortsetzt. Den Mut, die prekäre Situation der Christen in Nahost und nicht zuletzt in den palästinensischen Gebieten anzusprechen und ohne unangemessene Polemik gegen den jüdischen Staat zu diskutieren, hat das Dokument leider nicht aufgebracht. Wir drucken eine Stellungnahme dazu durch die Evangelische Kirche im Rheinland ab.

 


I. Anlass und Würdigung

Die Evangelische Kirche im Rheinland hört die Klage unserer palästinensischen Brüder und Schwestern, die sich mit ihrem Aufruf »Die Stunde der Wahrheit« im Dezember 2009 an palästinensische Christen, an lokale Persönlichkeiten und die palästinensische Gesellschaft insgesamt, an die internationale Gemeinschaft und nicht zuletzt an die Christen in aller Welt wenden. Ihre Schilderung der sich verschlechternden Lebensbedingungen nehmen wir mit Besorgnis und Betroffenheit zur Kenntnis.


Das Papier war uns Anlass, innerhalb der ekir und darüber hinaus in besonderer Weise und mit tiefem Ernst miteinander ins Gespräch zu kommen. Für diesen Anstoß zum Gespräch ist die ekir den Autoren des Papiers dankbar.


II. Theologische Auseinandersetzung

Auch wenn wir nicht mit allen theologischen Grundlagen und Positionen des Aufrufs einverstanden sind, versagen wir den Autoren nicht unseren Respekt. Wir sehen ihre Klage als Anstoß zu einem intensiveren Dialog mit palästinensischen Christinnen und Christen.

Das »Wort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe aus der Mitte des Leides der Palästinenserinnen und Palästinenser« ruft uns dazu auf, erneut zum Konflikt zwischen dem Staat Israel und dem palästinensischen Volk Stellung zu beziehen. Dabei gilt es unser Bekenntnis von der Treue Gottes zum jüdischen Volk mit unserer Verbundenheit mit dem palästinensischen Volk und insbesondere mit unseren palästinensischen Mitchristen in Einklang zu bringen.

Die Evangelische Kirche im Rheinland nimmt sehr ernst, dass der Aufruf sog. fundamentalistische Theologen verdächtigt, das Unrecht, das Palästinenser in den vom Staat Israel besetzten Gebieten erleiden, biblisch und theologisch zu legitimieren. Die Evangelische Kirche im Rheinland fühlt sich allerdings missverstanden, wenn damit auch ihre differenzierte theologische und politische Position gemeint sein sollte, die sie in Fortschreibung des Rheinischen Synodalbeschlusses von 1980 zuletzt im Jahr 2008 in einer Arbeitshilfe dargelegt hat.[i] Sie versteht sich in ihrem Bestreben, das Verhältnis von Christen und Juden zu erneuern, und in ihrer Einschätzung des Nahostkonflikts nicht als fundamentalistisch; sie sieht sich vielmehr auf der Linie des biblischen Zeugnisses vom einen Gott Abrahams, dem Vater Jesu Christi.

 

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[i] Evangelische Kirche im Rheinland: Den rheinischen Synodalbeschluss zum Verhältnis von Christen und Juden weiterdenken - den Gottesdienst erneuern. Eine Arbeitshilfe [...] zur theologischen Bedeutung des Staates Israel [...], Düsseldorf 2008, bes. 38-47. In dieser Arbeitshilfe ist auf den Seiten 97-111 auch der Beschluss „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ vom 11.1.1980 einschließlich der ihn erläuternden „Thesen“ dokumentiert. Alle Seitenangaben im Text beziehen sich auf diese Arbeitshilfe

 

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