Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Henning Theißen

Zeugnis für den einen Gott -

Die I. Barmer These vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Dialogs der Religionen im Rheinland* 

   Henning Theißen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Systematische Theologie der Ernst Moritz Arndt Universität in Greifswald. Er war früher Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland und promovierte (2002) in Bonn über „Die evangelische Eschatologie und das Judentum“.

 

Zeugnis für den einen Gott -

Die I. Barmer These vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Dialogs der Religionen imRheinland

 

Die Evangelische Kirche in Deutschland (ekd) hat 2006 ihre Handreichung Klarheit und gute Nachbarschaft zum christlich-islamischen Dialog veröffentlicht. In der Öffentlichkeit entstand jedoch mehrheitlich der Eindruck, dass die Nachbarschaft beider Religionen durch dieses Dokument eher erschwert wurde. Ein Hauptgrund für diesen Eindruck dürfte darin zu suchen sein, dass die Handreichung sich unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001 ganz auf das gesellschaftliche Verhältnis des organisierten Islam zur freiheitlichen Demokratie konzentriert und klassisch religiöse Dialogthemen wie besonders den Monotheismus, der den Islam mit Christentum und Judentum zur Gemeinschaft der sog. abrahamitischen Religionen verbindet, in ihrem Stellenwert sehr niedrig veranschlagt[i].


Gegen diese Einschätzung hat sich Widerstand bemerkbar gemacht. Anfang 2009 hat die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland eine programmatische Arbeitshilfe mit dem Titel verabschiedet: Abraham und der Glaube an den einen Gott. Zum Gespräch zwischen Christen und Muslimen.[ii] Mit dieser Arbeitshilfe will eine Gliedkirche der ekd den abrahamitischen Monotheismus – also gegen die Einschätzung der ekd ein religiöses Thema – für den Dialog mit dem Islam stark machen. Die rheinische Kirche geht dabei so vor, dass sie gelungene Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem christlich-jüdischen Dialog für das Gespräch mit dem Islam fruchtbar machen will. Wegen dieser Vorgehensweise kann und muss das Gespräch mit dem Islam auch ein Thema für den christlich-jüdischen Dialog sein. Ich möchte daher fragen: (Wie) Kann der Dialog von Christen und Juden Muslime einbeziehen?


I. Grundlegung: Pluralistischer oder inklusivistischer Dialog der Religionen?

Die Arbeitshilfe Abraham und der Glaube an den einen Gott wurde am 16.1.2009 von der rheinischen Landessynode verabschiedet; der entsprechende Beschluss wurde als Protokollauszug im Internet auch veröffentlicht. Die beschlossene Fassung der Arbeitshilfe zeigt dabei gegenüber der vor der Synode mit den Tagungsunterlagen an die Synodalen verschickten Drucksache[iii] eine erstaunliche Verschiebung auf.


Die Vorfassung lief im Fazit auf acht „Biblische Einsichten“ hinaus, von denen fünf die Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam betonten und drei die Unterschiede beider Religionen festhielten. In der beschlossenen Version ist davon nur noch eine „Schlussbemerkung“ zu den Unterschieden übrig geblieben. Die Gemeinsamkeiten sind praktisch komplett verschwunden, ohne dass im sonstigen Text der Arbeitshilfe Wesentliches geändert wurde. Ursprünglich hieß es hier:

Wir wissen um die Unterscheidung zwischen unseren Gemeinschaften, in der das eine Wort Gottes, das wir hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben, für Christen das fleischgewordene Wort Jesus Christus ist, für Muslime dagegen der letztgültig mit der Offenbarung an Mohammed in die Menschenwelt herabgesandte Koran.[iv]

 

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* Geringfügig umgearbeiteter Vortrag vor der Essener Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit am 10.9.2009.

[i] Klarheit und gute Nachbarschaft. Christen und Muslime in Deutschland, eine Handreichung des Rates der EKD, Hannover 2006 (EKD-Texte 86)
(online: http://www.ekd.de/download/ekd_texte_86.pdf [09.09.2009]), hier 18.

[ii] Abaraham und der Glaube an den einen Gott. Zum Gespräch zwischen Christen und Muslimen, Arbeitshilfe des Ständigen Theologischen Ausschusses, des Ausschusses Christen und Juden, des Ausschusses für Gottesdienst und Kirchenmusik und des Arbeitskreises Christen und Muslime, in: Verhandlungen der 59.[,] ordentlichen rheinischen Landessynode, hg. vom Büro der Landessynode, Düsseldorf 2009, S. 332f. (Beschluss 103). Die Druckversion des Protokolls ist unvollständig, da sie den Text der Arbeitshilfe nicht im Wortlaut enthält – im Gegensatz zur Online-Version: http://www.ekir.de/ekir/doku­mente/LS2009-B1032.pdf (12.09.2009).

[iii] Verhältnis von Christen und Muslimen, Drucksache 23 der Verhandlungen der 59.[,] ordentlichen rheinischen Landessynode, in: Verhandlungen (Anm. 2), 621*-641* (online: http://www.ekir.de/ekir/dokumente/ekir2009ls-ds-23christen-muslime.pdf [09.09.2009]).

[iv] Ebd. 643*.

 

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