Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Klaus Wengst

Land Israel und universales Heil im Neuen Testament

 Eine theologische Auseinandersetzung mit dem „Kairos Palästina-Do­kument“


   Klaus Wengst ist Professor emeritus für Neues Testament an der Evangelisch-Theo­logischen Fakultät der Ruhr-Universität-Bochum.

Im Dezember 2009 haben palästinensische Christen und Christinnen „Ein Wort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe aus der Mitte des Leidens der Palästinenser und Palästinenserinnen“ veröffentlicht, das durch seine Verbreitung als „Kairos Palästina-Dokument“ durch den Ökumenischen Rat der Kirchen große Aufmerksamkeit fand. Da dieses Wort betont und ausführlich theologisch redet, stelle ich zunächst seine theologische Grundlegung dar, diskutiere sie danach in vier Punkten und füge zum Schluss noch einige Anmerkungen hinzu.


 

Land Israel und universales Heil im Neuen Testament

 Eine theologische Auseinandersetzung mit dem „Kairos Palästina-Do­kument“

 

1. Theologische Grundlegung des Dokuments: die Betonung der Universalität

Nach einer knappen Einführung und einer Beschreibung der Realität, wie die Autoren und Autorinnen des Wortes sie wahrnehmen, setzen sie dezidiert theologisch mit einem Glaubensbekenntnis ein, das – gut christlich – trinitarisch ausgerichtet ist. Der erste Artikel beschreibt Gott als „den einen Gott, den Schöpfer des Universums und der Menschheit“, als „einen gütigen und gerechten Gott, der jedes seiner Geschöpfe liebt“, von dem jeder Mensch als Ebenbild Gottes seine Würde hat. Der zweite Artikel identifiziert „Gottes ewiges Wort“ als „Seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, den er der Welt als Heiland gesandt hat“. Der dritte Artikel versteht den heiligen Geist als Wegbegleiter für „die Kirche und die ganze Menschheit“. Insbesondere wird ihm eine Funktion für „uns“ zugeschrieben, nämlich als Hilfe, „die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments“ in ihrer Zusammengehörigkeit zu verstehen, indem er „uns die Offenbarung Gottes für die Menschheit in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft kund(tut)“ (2.1). In allen drei Artikeln fällt die ebenso umfassende wie ausschließliche Bezogenheit auf das Universum, die Welt, die Menschheit auf.

Als Erläuterung dazu, wie das Wort Gottes zu verstehen ist, wird in Bezug auf Jesus Christus als weitere Glaubensaussage angeführt, dass er „in die Welt gekommen ist, um das Gesetz und die Weissagung der Propheten zu erfüllen“ (2.2.1). Während diese an Matthäus 5,17 anklingende Aussage dort im Gegensatz zur Annullierung von Tora und Propheten deren bleibende Geltung betont, dient sie hier dazu, das Verstehen der heiligen Schriften an Jesus Christus auszurichten und sie also auf ihn hin zu lesen. Anschließend wird der Neuheitscharakter seines Auftretens betont, indem seine Verkündigung, „dass das Himmelreich nahe herbeigekommen sei“ – nebenbei: in Matthäus 3,2 ist das vorher wortidentisch schon die Verkündigung Johannes des Täufers –, mit dem Satz weitergeführt wird: „Er löste im Leben und im Glauben der ganzen Menschheit eine Revolution aus.“ Der Neuheitscharakter wird weiter dadurch unterstrichen, dass aus Markus 1,27 die Kennzeichnung des Wirkens Jesu als einer „neuen Lehre“ aufgenommen und von ihr gesagt wird, sie werfe „ein neues Licht auf das Alte Testament“ und „auf Themen wie die Verheißungen, die Erwählung, das Volk Gottes und das Land“ (2.2.2).

 

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