Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Heft 2011-2: Editorial

 

Die Zeitschrift Kirche und Israel gibt es nunmehr seit 25 Jahren. Aus diesem Anlass hat Manuela Noack einen kleinen Rückblick verfasst, in dem sie vor allem noch einmal an die Gründungsphase erinnert. Zu Recht steht Rolf Rendtorff im Mittelpunkt der Rückschau, denn er ist in der Tat, wie Noack schreibt, der „spiritus rector“ dieses Zeitschriftenprojektes. Unser besonderer Gruß gilt ihm, dem heute 86jährigen. Wir gedenken auch in Dankbarkeit des unermüdlichen Engagements unserer verstorbenen Herausgeberinnen und Herausgeber, Hans-Joachim Kraus (1918-2000), Leonore Siegele-Wenschkewitz (1944-1999) und Erich Zenger (1939-2010). Zum gegenwärtigen Herausgebergremium gehören neben den Gründungsmitgliedern Rolf Rendtorff, Ekkehard W. Stegemann und Edna Brocke auch Wolfgang Stegemann, Hans Hermann Henrix, Gabrielle Oberhänsli-Widmer, Hans-Joachim Sander, Barbara Schmitz und Christina Tuor-Kurth.

 

Die Herausgeber und Herausgeberinnen haben sich bei ihrem letzten Treffen eine Art Leitbild für die Zeitschrift gegeben, aus dem das zukünftige Publikationsprofil hervorgeht. Es lautet: „Kirche und Israel ist eine internationale Dialogzeitschrift. Die Neukirchner Theologische Zeitschrift gibt Einblicke in die weltweiten Diskurse zwischen Juden und Christen, informiert über die Vielfalt jüdischer Lebenswelten, beleuchtet Aspekte jüdischer Kultur und Literatur, verhandelt das Verhältnis von Kirche und Israel als eine Hauptspur der theologisch-politischen Diskurse.“ Wir werden im Übrigen in diesem Jahr noch mit einer Homepage (www.kirche-und-israel.de) Online gehen.

 

Prof. Dr. Gregor Maria Hoff (Universität Salzburg) hat eine äußerst einfühlsame und tiefsinnige Laudatio auf unseren Mitherausgeber Hans Hermann Henrix aus Anlass von dessen 70. Geburtstag verfasst. Es ist eine Freude und Bereicherung für diese Zeitschrift, den nach wie vor rührigsten, international anerkannten Pionier des katholisch-jüdischen Dialogs in unseren Reihen zu wissen.

 

Ein kraftvolles und provokatives Buch, welches Juden und Christen auffordert, aus ihrem Schatten herauszutreten und die Stereotypen voneinander hinter sich zu lassen; leicht zu lesen und zu verstehen, aber schwer zu ignorieren; mit Schwung, Erfahrung, Leidenschaft und Humor geschrieben: so und ähnlich war in den Vereinigten Staaten das Echo auf ein viel gelesenes Buch der letzten Jahre: The Misunderstood Jew. The Church and the Scandal of the Jewish Jesus, New York (Harper-Collins Publishers) 2006, von Amy-Jill Levine. Die Professorin für Neues Testament und jüdische Studien an der Vanderbilt Universität (Divinity School and College of Arts and Sciences), Nashville/Tennessee, versteht sich selbst als jüdische Feministin, die an einer überwiegend christlichen theologischen Fakultät lehrt. Das in unserem Heft übersetzte Schlusskapitel „Quo Vadis?“ gibt Empfehlungen zur Pflege und Sicherung des in den letzten Jahrzehnten gemachten Fortschritts in der jüdisch-christlichen Beziehung.

 

Wir setzen in diesem Heft die Veröffentlichung von Vorträgen anlässlich einer Tagung in der Evangelischen Akademie Tutzing (2010) fort (s. KuI 1.2011). Der Beitrag von Prof. Dr. Wolfgang Kraus (Universität Saarbrücken) bietet eine differenzierte Analyse eines halben Jahrhunderts christlich-jüdischer Dialog – und zwar aus „evangelischer Sicht“.  Aus seinem Beitrag wird noch einmal deutlich, in welch hohem Maße die Auslegung des Neuen Testaments zumal den protestantischen Anteil am Dialog prägte, was für die reformatorischen Kirchen zu erwarten ist. In seiner persönlichen theologischen Bilanz schließt sich Kraus einem Gedanken von Hans-Joachim Iwand an: „Ich habe den christlich-jüdischen Dialog so erlebt, dass er eine Anleitung war, Theologie aus der Umkehr zu betreiben.“ Doch beschwert ihn auch, dass diese Neuorientierung der Theologie immer noch nicht überall angekommen ist.

 

Auch der Beitrag von Prof. Dr. Hans-Joachim Sander (Universität Salzburg), unserem Mitherausgeber, geht auf dessen Vortrag in Tutzing zurück. Der Artikel steht im Zusammenhang einer schriftlichen Stellungnahme des Gesprächskreises Juden und Christen beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken: „Nein zur Judenmission – Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“. Sander fügt dem Thema „Judenmission“, ein Dauerbrenner der christlichen Diskurse über das Judentum, eine neue, weiterführende Dimension hinzu. Er diskutiert – in kritischer Auseinandersetzung mit Robert Spaemann – das Thema im Kontext politischer Theoriediskurse und der Semiotik des USUS-amerikanischen Mathematikers und Philosophen Charles S. Peirce (1839-1914). Es lohnt sich, der komplexen Argumentation des Beitrags zu folgen; denn Sander zeigt am Ende überzeugend auf, dass das christliche Selbstverständnis in jeder Hinsicht die Erwählung Israels voraussetzt. Sie lässt sich, sofern man seiner christlichen Identität treu bleibt, also kaum durch Mission ersetzen.

 

In der Rubrik ‚Klassiker der jüdischen Literatur‘ stellt Gabrielle Oberhänsli-Widmer diesmal ‚Schir ha-Schirim Rabba‘ vor, den spätantik-frühmittelalterlichen Midrasch zum Hohenlied, ein Text, der die erotischen Liebeslieder der Hebräischen Bibel allegorisch zu einem Duett zwischen Gott und seinem Volk Israel domestiziert. Vielleicht eine missglückte Auslegung, der indes eine glänzende Karriere vergönnt war, prägte sie doch das jüdische und christliche Verständnis des Hohenliedes nachhaltig von der ausgehenden Antike bis ins 20. Jahrhundert. Zudem kann dieser Midrasch auch als eines der ersten Zeugnisse jüdisch-christlicher Auseinandersetzung gelesen werden.

 

Wir dokumentieren einen Beitrag der Evangelischen Kirche des Rheinlands zum sog. „Kairos-Dokument“ einiger palästinensischer Christen (s. dazu auch KuI 2. 2010)

 

Am Ende steht wie gewohnt eine Bücherschau, diesmal wieder von Barbara Schmitz. Sie bespricht auf wenigen Seiten viele wichtige und interessante Neuerscheinungen, knapp und treffend.

 

Die Herausgeberinnen und Herausgeber


 

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