Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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 Rolf Schieder

EKD regt Diskussion über Wirtschaftsboykott Israels an

 

   Wir dokumentieren hier den Aufruf einer Gruppe von Christen in den Palästinenser Gebieten, der unter dem Titel „Die Stunde der Wahrheit: Ein Wort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe aus der Mitte des Leidens der Palästinenser und Palästinenserinnen“ am 11. Dezember 2009 in Bethlehem der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.  In der Diskussion firmiert es als „Kairos: Palästina“.  Dieser Name spielt auf ein Dokument an, das gegen die rassistische Apartheidpolitik Südafrikas gerichtet war. Der in Jerusalem lebende Theologe und Philosoph Malcome F. Lowe leuchtet als Kenner der Szene Hintergründe der Entstehung des Dokumentes aus.  Und Rolf Schieder, Professor für praktische Theologie an der Humboldt-Universität in Berlin, kommentiert es im Zusammenhang anfänglicher Diskussionen darüber in der EKD. 

 

   Prof. Dr. Rolf Schieder ist Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Theologie und Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät an der Universität in Berlin. Zudem ist er Sprecher des Forschungsbereichs Religion und Politik.  

 

 

EKD regt Diskussion über Wirtschaftsboykott Israels an

Palästinensische Christen haben im Dezember vergangenen Jahres zum Boykott israelischer Waren aufgerufen. Die israelische Besetzung Palästinas sei „Sünde gegen Gott und die Menschen“. Dabei lassen die Verfasser bewusst offen, ob sie grundsätzlich ein Existenzrecht Israels anerkennen oder nicht. Oberkirchenrat Jens Nieper vom Kirchenamt der ekd bezeichnet das Papier als einen „Aufruf, der zur Bewegung werden will. Eine Friedensbewegung – und zwar eine Friedensbewegung, die sich nicht aus den Reihen der Besatzer heraus entwickelt, sondern aus den Besetzten heraus.“ Der Bischof der Berliner Landeskirche, Dr. Markus Dröge, erklärte vor der Synode seiner Landeskirche, dass er den Boykottaufruf für ein „beachtliches Beispiel, die Versöhnung zu bezeugen“ halte, wenn man auch „die politischen Konsequenzen als Christen in Deutschland wohl kaum unterstützen“ könne.

Was sind die politischen Kernaussagen des sogenannten „Kairos-Palästina“-Papiers? Palästinensische Christen fordern ihre Schwestern und Brüder weltweit auf, den Staat Israel als ein rassistisches Apartheidsregime wie das frühere Südafrika anzusehen und analoge Maßnahmen zu ergreifen. Das Ziel der Verfasser des Papiers, das den Titel „Die Stunde der Wahrheit“ trägt, ist die Beendigung der „Besetzung Palästinas“ durch die Juden. Dabei vermeiden sie eine präzise Definition, was sie unter „Besetzung“ verstehen. Fordern sie lediglich den Rückzug Israels hinter die Grenzen vor 1967? Oder lehnen sie eine Zwei-Staaten-Lösung ab und streben einen palästinensischen Staat mit einer jüdischen Minderheit an? Im Papier ist von zwei Staaten nicht die Rede. Vielmehr müsse „in diesem Land Gottes ein neues Land“ (9-5) geschaffen werden. Ein Existenzrecht Israels wird nicht garantiert. Der Vergleich Israels mit einem Apartheidregime und die Bezeichnung der israelischen Politik als „rassistisch“ dient offensichtlich der Delegitimierung Israels vor der Weltöffentlichkeit. Damit reiht sich das Papier in eine Fülle palästinensischen Aktivitäten ein, die die Verantwortung für die gegenwärtige Lage ausschließlich bei der israelischen Regierung sehen.

 

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