Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Gregor Maria Hoff

„Warum ist mir der jüdisch-christliche Dialog wichtig?“

Motive des jüdisch-christlichen Dialogs im Spiegel von Mitgliedern des „Gesprächskreises Juden und Christen beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken“


  Die Sammlung persönlicher Antworten von Mitgliedern des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken auf die Frage „Warum ist mir der jüdisch-christliche Dialog wichtig?“ analysiert und reflektiert scharfsichtig Gregor Maria Hoff. Der Autor, Professor für Fundamentaltheologie und Ökumene an der Universität Salzburg, war viele Jahre Obmann der Salzburger Hochschulwochen und ist Konsultor der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen mit den Juden. In seinen zahlreichen Publikationen setzt er sich mit einem breiten Spektrum theologischer Fragen und Herausforderungen auseinander, z.B.: Der Ort des Jüdischen in der katholischen Theologie (als Mit-Hg., 2009); Religionskritik heute (22010); Europa Entgrenzungen – Salzburger Hochschulwochen 2014 (Hg., 2015); Ein anderer Atheismus. Spiritualität ohne Gott? (2015). Als freier Autor bei der ZEIT beteiligt er sich am Diskurs zu Grenzfragen zwischen Religion und Gesellschaft.

Im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit wurde im Jahr 2015 die „Buber-Rosenzweig-Medaille“ an Hanspeter Heinz und den „Gesprächskreis Juden und Christen beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ verliehen. Aus diesem Anlass erschien in einer Sonderausgabe der Reihe „Salzkörner“ des Zentralkomitees eine Serie von zum Teil sehr persönlichen und bewegenden Texten, in denen die Motive und die Bedeutung des jüdisch-christlichen Dialogs bestimmt werden.[1]

 

 

Das Unselbstverständlich-Selbstverständliche

Alphabethisch hat sich der erste Text in einen ganz besonderen Nachlass verwandelt. Er stammt vom 2016 verstorbenen Bonner Dogmatiker Wilhelm Breuning, einem Gründungsmitglied des Gesprächskreises, der ein Jahr vor seinem Tod aus Altersgründen  ausschied – mit 94 Jahren. Wilhelm Breuning beginnt seine Reflexion mit dem Ausdruck der Verwunderung: „Wird hier grundsätzlich nach der Bedeutung eines jüdisch-christlichen Dialogs gefragt?“ (2) Bedarf es noch einer Begründung? Genau das macht deutlich, wie selbstverständlich dieser Dialog einem katholischen Theologen fünfzig Jahre nach dem 2. Vatikanischen Konzil geworden ist, der zugleich um das weiß, was noch fehlt und deshalb unselbstverständlich bleibt (Susanne Talabardon, 28): an kirchlicher „Bekehrung“ (2) (ähnlich Hans Hermann Henrix, der von „Umkehr“ spricht: 10; vgl. Dagmar Mensink: 15; Uta Zwingenberger: 31).

Die gelebte Lehre der letzten Päpste hat immerhin unmissverständlich deutlich gemacht, dass das geistliche und theologische Gespräch zwischen Juden und Katholiken eine unverrückbare Basis für die Beziehungen zwischen beiden Religionsgemeinschaften darstellt – und wie belastbar es sich entwickelt hat, so sehr etwa die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für den tridentinischen Ritus durch Benedikt XVI. verstört und schmerzt (Brumlik, 5). Die katholische Entwicklung, ein regelrechter Paradigmenwechsel, führt Breuning mit einer geschichtlich weit ausholenden Bewegung vor Augen, die von der Konzilserklärung Nostra aetate und der Initiative des späteren Aachener Bischofs Klaus Hemmerle zur Gründung des Kreises reicht. Breuning macht dabei vor allem deutlich, was der lebendige Dialog zwischen Juden und Christen bedeutet – ein Leitmotiv vieler Beiträge. Im persönlichen Austausch lernt man theologisch voneinander (Wohlmuth: „Lernen auf Augenhöhe“: 31; Ilse Müllner, 17), nicht zuletzt lässt sich im Dialog die Gegenwart Gottes erfahren (Erwin Dirscherl, 6). Arbeit mit theologischen und geistlichen Überraschungen prägt die Motive, die so viele Vielbeschäftigte immer wieder neu mit großem persönlichen Engagement in das jüdisch-christliche Gespräch verwickeln.

Das macht die Reihe der Beiträger anschaulich, alle Mitglieder seit vielen Jahren, Juden wie Christen. Sie umfasst mehrere Generationen, sie schließt Rabbiner und Gelehrte beider Seiten ein, sie eröffnet eine große biographische Plausibilität (die übrigens für nicht wenige mit besonderen Lern- und Erfahrungsorten wie z.B. dem Theologischen Studienjahr an der Dormitio Abbey in Jerusalem verbunden ist). Sie alle beteiligen sich an dem, was Breuning einen „Versuch“ nennt. Er hat Früchte getragen, aber angesichts einer langen Geschichte vor allem christlich verursachter Unterdrückung von Juden muss im Blick bleiben, dass dieser Versuch nach wie vor unterwegs ist – hin zu einem Verständnis, das über bloße Toleranz hinausführt.

Breuning betont vor diesem Hintergrund, dass neue Einsichten wie die menschliche und religiöse Gemeinsamkeit wachsen müssen. Das verlangt Zeit und Aufmerksamkeit, die zumal angesichts immer wieder ausbrechender antisemitischer und judenfeindlicher Tendenzen gefordert ist und den Blick auf anstehende Herausforderungen lenkt (Edna Brocke, 4). Es gilt, den Dialog in die nächsten Generationen zu tragen, seine Ergebnisse gesellschaftlich, aber auch kirchlich wirksam zu verankern – ein wirkliches Vermächtnis eines bedeutenden Akteurs der ersten Dialoggeneration nach dem Konzil.


 

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[1] „Warum ist mir der jüdisch-christliche Dialog wichtig?“: Salzkörner 21. Jg. Sonderausgabe (März 2015), auch zugänglich unter:

http://www.zdk.de/cache/21-Jg-Sonderausgabe-82b99c394f5578085e1568928c298b76.pdf.

 

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