Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

PDF Drucken E-Mail

 Michael Heymel

Mutiger Protest zum Schutz der Juden: der Hirtenbrief der dänischen Bischöfe von 1943

 

   Der Heidelberger Privatdozent für Praktische Theologie Michael Heymel, der auch wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralarchiv der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau ist, veröffentlicht hier erstmals einen Hirtenbrief der dänischen Bischöfe an die Behörden der deutschen Besatzungsmacht (1943), der auch von allen dänischen Pfarrern von den Kanzeln verlesen wurde. In diesem Hirtenbrief setzten sich die Bischöfe mutig und eindeutig gegen die Verfolgung der dänischen Jüdinnen und Juden ein. Der kundige Kommentar beleuchtet die besonderen historischen Verhältnisse und klärt über die beteiligten Personen auf. Erhellend sind auch die Vergleiche, die Heymel etwa zu Martin Niemöller und überhaupt dem Versagen der Bekennenden Kirche in Deutschland gegenüber der Verfolgung und Ermordung der Jüdinnen und Juden zieht. Heymel sagt zu recht: Der Hirtenbrief ist auch in inhaltlicher Hinsicht „ein bemerkenswertes Dokument. Er führt drei gewichtige Argumente gegen die Verfolgung der Juden an: (1) biblisch-theologische, (2) christlich-ethische und (3) verfassungsmäßig-rechtliche.“

 

    Pfarrer PD Dr. Michael Heymel (Darmstadt) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralarchiv der EKHN und lehrt Praktische Theologie an der Universität Heidelberg.



Mutiger Protest zum Schutz der Juden: der Hirtenbrief der dänischen Bischöfe von 1943


Immer wieder wird erzählt, der dänische König Christian X.  habe sich, als die dänischen Juden auf Befehl der deutschen Militärverwaltung in Vernichtungslager deportiert werden sollten, einen Davidstern angeheftet und sei damit, um seine Solidarität mit den Juden zu bekunden, durch Kopenhagen geritten. Leider ist diese schöne Geschichte nur eine Legende. Als Dänemark am 9. April 1940 vom nationalsozialistischen Deutschland besetzt wurde, hatte der damals 70jährige König allerdings Courage bewiesen, indem er jeden Morgen unbewaffnet und ohne Leibwache durch die Straßen Kopenhagens geritten und so zum Symbol für die Ablehnung der Dänen gegenüber ihren deutschen Besatzern geworden war. König Christian soll sich auch, nach glaubwürdigen Berichten, energisch gewehrt haben, als auf Schloss Christiansborg, dem Sitz des dänischen Reichstags, die Hakenkreuzflagge gehisst werden sollte. Weniger bekannt ist dagegen, welche bedeutsame Rolle ein Mann der Kirche bei der Rettung der dänischen Juden im Oktober 1943 spielte: der Kopenhagener Bischof Dr. Hans Fuglsang-Damgaard (1890-1979).

 

Der Bischof von Kopenhagen

Fuglsang-Damgaard hatte seit 1926 als Dozent für Systematische Theologie an der Kopenhagener Universität gelehrt, bevor er 1933 im dortigen Dom als Stiftspropst eingeführt wurde. Bereits ein Jahr später fand die Bischofsweihe statt. Bei der Wahl nach dem Prinzip clerus et populus hatten sowohl die Pfarrer als auch Delegierte aus den Kirchengemeinden für ihn votiert. Von 1934 bis 1960 hatte Fuglsang-Damgaard das Amt des Bischofs von Kopenhagen inne. Sein Leben lang verbarg er niemals seine Liebe und seinen Respekt für deutsche Tradition, Geschichte und Kultur, stets hatte er lebendige Verbindung zu Deutschland und den Deutschen. Seine ganze schulische Bildung hatte im preußischen Schulsystem stattgefunden: Grundschule, Lehrerexamen 1911, danach zweijähriger Dienst als Volksschullehrer, Kursabitur Februar 1915. Als Nordschleswiger hatte er von April 1915 bis Oktober 1916 den Krieg als preußischer Landser, später Unteroffizier mitgemacht. Nach der Schlacht an der Somme kam er in das Kriegsgefangenenlager Aurillac in Südfrankreich, wo er Französisch bis zur Perfektion erlernte. Erst 1920 wurde Fuglsang-Damgaard dänischer Staatsbürger. Von 1920 bis 1924 studierte er u.a. in Straßburg, wo er durch französisch-reformierte Theologen den Symbolofideismus kennenlernte, eine von Auguste Sabatier und Fernand Ménégoz entwickelte Schulrichtung, die die Dogmen als kritisch zu interpretierende Symbole religiöser Erfahrung auffasst. Nachdem er sein Studium mit Bestnoten abgeschlossen hatte, promovierte er mit einer Arbeit über „Die religionsphilosophisch-dogmatischen Grundzüge des Symbolofideismus in ihrer Entstehung und Auswirkung“ (Kopenhagen 1925). Da er fließend deutsch und französisch sprach und gute Kenntnisse im Englischen hatte, war er der richtige Mann für ökumenische Beziehungen zum Ausland.

 

Wenn Sie diesen Beitrag vollständig lesen möchten, können Sie ihn für 2,99 € anfordern: Link


 

Suche

Buchtipp