Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Manfred Diefenbach

„Unglaube“ Israels?

Anmerkungen zum Gebrauch des Wortfelds „Unglaube“ in neueren neutestamentlichen Beiträgen

Eine Glosse

 

    Manfred Diefenbach war als Pastoralassistent in der Gemeindeseelsorge und Erwachsenenbildung sowie Katechese für das Bistum Basel tätig. Zwei neutestamentliche Monographien sind von ihm veröffentlicht: Die Komposition des Lukasevangeliums unter Berücksichtigung antiker Rhetorikelemente, Frankfurt 1993; Der Konflikt Jesu mit den „Juden“. Ein Versuch zur Lösung der johanneischen Antijudaismus-Diskussion mit Hilfe des antiken Handlungsverständnisses, Münster 2002. Im Jahr 2007 ging er für drei Jahre nach Abu Dhabi und ist heute freischaffender Theologe.

 


Während des Nazi-Regimes wurde neben dem rassistischen und wirtschaftlichen der religiöse Antijudaismus seitens der deutschen Nationalsozialisten geschürt und unsere geistlichen Brüder und Schwestern jüdischen Glaubens wurden verfolgt und getötet. Leider finden sich bis heute in wissenschaftlichen Abhandlungen Begriffe wie „Unglaube“, „ungläubig“, „Ungläubige/r“ für die gläubigen Juden zur Zeit Jesu – dies noch 70 Jahre nach der Befreiung tausender jüdischer Inhaftierter von Auschwitz, Buchenwald, Dachau etc. Umso aufmerksamer sollten wir Exegetinnen und Exegeten im Gebrauch von solchen Begriffen in wissenschaftlichen Beiträgen im Hinblick auf den christlich-jüdischen Dialog sein. So fällt mir schon seit längerer Zeit auf, dass evangelische[1] und katholische[2] Exegeten besonders im deutschsprachigen Raum diese Begriffe im Hinblick auf „die Juden“[3] bei ihrer neutestamentlichen Schriftauslegung bzw. -interpretation verwenden. So stellt sich mit dem katholischen Neutestamentler Rudolf Pesch die Frage: „Sind die biblischen Texte, die anti-jüdisch zu sein scheinen, richtig ausgelegt?“[4] 

 

Besonders drei judaistische Aspekte sollen hier - 50 Jahre nach der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ (vgl. bes. NA 4) - auch im Geiste meines einstigen Luzerner Lehrers für Judaistik, Prof. Dr. Clemens Thoma SVD (1932 – 2011), am Beispiel der „Theologie zum Neuen Testament“ des evangelischen Exegeten Udo Schnelle konstruktiv-kritisch besprochen werden:

 

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[1] Vgl. beispielsweise Udo Schnelle, Einleitung ins Neue Testament. (UTB 1830), Göttingen 82013, 151, 281, 326, 394, 560, 587, 594; ders., Theologie zum Neuen Testament. (UTB 2917), Stuttgart 22014, 223, 327, 329, 372, 392, 622–624, 634, 643–645, 674–676, 680–681, 684–686, 692–693, 706, 708; Bernd Kollmann, Neues Testament kompakt, Stuttgart 2014, 144. Vgl. zudem die aufgelisteten Exegeten bei Manfred Diefenbach, Der Konflikt Jesu mit den „Juden”. Ein Versuch zur Lösung der johanneischen Antijudaismus-Diskussion mit Hilfe des antiken Handlungsverständnisses. (NTA NF 41), Münster 2002, (PDF-Version 2012), Fußnote 27, 6–7.

[2] Vgl. z. B. Mira Stare, Durch ihn leben. Die Lebensthematik in Joh 6. (NTA NF 49), Münster 2004, 174, 234, 241–242; Hans-Ulrich Weidemann, Der Tod Jesu im Johannesevangelium. Die erste Abschiedsrede als Schlüsseltext für den Passions- und Osterbericht. (BZNW 122), Berlin 2004, 253–254, 264, 286, 306, 310, 323, 326, 345, 349, 384, 521; Rudolf Pesch, Antisemitismus in der Bibel?, Augsburg 2005, 53, 71–72, 76; Joachim Kügler, Das Johannesevangelium, in: Martin Ebner/Stefan Schreiber (Hg.), Einleitung in das Neue Testament. (Kohlhammer Studienbücher Theologie 6), Stuttgart 22013, 210–231, 224; Michael Theobald, Das Evangelium nach Johannes. Bd. 1: Kapitel 1–12, Regensburg 2009, 466, 468, 469, 822, 824–826, 832; Johannes Beutler, Das Johannesevangelium. Kommentar, Freiburg 2013, 104, 223, 284, 325, 346, 365, 368–371, 454, 487.

[3] Vgl. die generalisierende Wendung in Griechisch „hoɩ ̕Ioudaῖoɩ“ in Mk 7,3; Joh 1,19; 2,18.20; 5,10.16.18; 6,41.52; 7,1.15.35; 8,22.48.52.57; 9,18.22; 10,24.31.33; 11,8.31.36; 18,20.31; 19,7.12.31; Apg 13,45.50; 14,2; 17,5; 18,12; 21,11.27; 23,12.20; 24,9; 26,4.

[4] Rudolf Pesch, Antisemitismus in der Bibel?, 143.

 

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