Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Bücherschau: Barbara Schmitz

 

Janowski, Bernd, Ein Gott, der straft und tötet? Zwölf Fragen zum Gottesbild des Alten Testaments, Neukirchen-Vluyn (Neukirchener

Verlagsgesellschaft) 2013 (434 S., 34,00 €).

Ein Gott, der straft und tötet? – Diese Frage, die zugleich der Titel des neuesten Werkes des emeritierten Tübinger Alttestamentlers Bernd Janow-ski

ist, bringt in knapper Form jenen Grundvorwurf gegenüber dem Gott des Alten Testaments auf den Punkt: Er strafe und töte. Von den Stammtischen

über die Feuilletons bis hin zu Gelehrten und zeitgenössischen Wissenschaftlern, von Kant bis Sloterdijk findet sich diese klischeehaft verzerrende

Interpretation des alttestamentlichen Gottesbildes, das dann, säuberlich getrennt von dem vermeintlich ganz anderen Gott Jesu, weit reichende

Konsequenzen nach sich gezogen hat, die immer noch wirken.

Den Vorurteilen gegenüber dem Gottesbild des Alten Testaments begegnet Bernd Janowski in fünf Themenkreisen: Gericht und Vergeltung (Kapitel 2 und 3), Willkür und Gewalt (Kapitel 4 und 5), Zorn und Rache (Kapitel 6 und 7), Leiden und Sünde (Kapitel 8 und 9) sowie Opfer und Sühne (Kapitel 10 und 11). Gut und verständlich geschrieben geben diese Kapitel Einblicke in die Text- und Vorstellungswelten. Leserfreundlich sind die Bibelstellen jeweils abgedruckt oder befinden sich im Textanhang.

Ohne zu verharmlosen oder zu vereinfachen führt Janowski den Leserinnen und Lesern die Tiefendimensionen der oft schwierigen Texte vor Augen

und erkundet ihren Entstehungskontext wie ihre weitere inner- wie außerbiblische Rezeption. Drei Grundgedanken sind Janowski dabei wichtig: Es ist

zunächst das Axiom der Weltzugewandtheit Gottes: Es ist „kein apathischer deus otiosus, sondern ein Gott, der in die Geschichte eingreift und dabei

auch die Affizierung mit Gewalt nicht scheut. Das Alte Testament er-öffnet aber auch immer wieder Wege zur Überwindung der göttlichen Gewalt, wie

Gen 8,21f und Hos 11,7–11 paradigmatisch zeigen“ (341).

Sodann geht es Janowski um die Kontextualisierung der Gottesbilder: Schwierige Gottesbilder dürfen nicht einfach aus ihrem jeweiligen Kontext

herausgelöst werden, vielmehr sind sie integraler Bestandteil einer Geschehensabfolge, die in ihrer Dynamik als Ganzes zu betrachten sei.

Ebenso wichtig ist Janowski die Klärung von Begriffen und Vorstellungen: Den sich zäh haltenden Vorurteilen ist Text- und Begriffskenntnis

entgegenzusetzen: So gibt es für Vorstellungen vom Gericht oder den immer wieder mit dem Gott des Alten Testaments assoziierten Begriffen

‚Vergeltung’, ‚Rache’ oder ‚Strafe’ gar kein hebräisches Äquivalent.

Es wäre dem Buch und dem Anliegen des Buches zu wünschen, dass die Differenzierungen, die die alttestamentliche Exegese in den letzten Jahren

und Jahrzehnten erarbeitet hat, endlich in der kirchlichen wie nicht-kirchlichen Öffentlichkeit wahr- und ernst genommen werden!

 

Leuenberger, Martin, „Ich bin Jhwh und keiner sonst“. Der exklusive Monotheismus des Kyros-Orakels Jes 45,1–7 (Stuttgarter Bibelstudien 224), Stuttgart

(Katholisches Bibelwerk) 2010 (92 S., 19,80 €).

Der Monotheismus ist in den vergangenen Jahren (neu) in Verruf gekommen – er sei radikal, ausschließend und gewaltbereit. Zugleich ist das

Bekenntnis zur Einzigkeit Gottes das Kennzeichen jüdischer, und in seiner Folge auch christlicher und muslimischer, Glaubens- und Lebenshaltung.

Angesichts der zum Teil marktschreierisch geführten Diskussion tut es gut, noch einmal an die Anfänge und die Quellen des monotheistischen

Bekenntnisses zu gehen.

Die Einzigkeit jhwhs ist – auch wenn gleich im ersten Vers der Bibel vorausgesetzt – kein altes, sondern ein, gemessen an der biblischen Literatur,

recht junges Bekenntnis: Es kommt aus dem babylonischen Exil (6. Jh. v. Chr.) und wird explizit und in aller Schärfe erstmals in den als „Deuterojesaja“

genannten Kapiteln Jes 40–55 formuliert: „Ich bin jhwh und keiner sonst [ist jhwh] und außer mir ist kein Gott“ (Jes 45,5).

Martin Leuenberger hat diesen programmatischen Spitzentext Deutero-jesajas, den man auch das „Kyros-Orakel“ (Jes 45,1–7) nennt, einer

eingehenden Analyse unterzogen und diesen mit dem, wahrscheinlich kurz zuvor abgefassten, babylonischen Text des sog. „Kyros-Zylinders“

verglichen. Während ersterer den Sieg des persischen Königs Kyros gegen die Babylonier ganz durch jhwh ermöglicht und in ihm begründet sieht,

beschreibt letzterer, dass der Sieg des Kyros allein auf den babylonischen Gott Marduk zurückzuführen und in ihm begründet ist. Dabei arbeitet

Leuenberger nicht nur Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen beiden Texten gerade mit Blick auf die Gottes-Konzeptionen heraus, sondern zeigt

auch auf, dass die monotheistischen Spitzenaussagen von Jes 45 geschichtstheologisch, und nicht primär schöpfungstheologisch begründet sind.


Mahnkopf, Claus-Steffen, Deutschland oder Jerusalem. Das kurze Leben der Francesca Albertini, Springe (zu Klampen Verlag) 2013 (320 S., 24,90 €).

2011 starb mit nur 36 Jahren die jüdische Religionsphilosophin Francesca Albertini. Schwerpunkte ihrer Arbeit waren eine Dissertation zu dem

jüdischen Neukantianer Hermann Cohen und eine Habilitation über die Einflüsse der frühmittelalterlichen islamischen Philosophie auf die Konzeption

des Messias von Moses Maimonides. Geboren in Rom hat sie sich zugleich intensiv für ein neues Verhältnis zwischen Deutschen und Juden

eingesetzt. Ihren Lebensweg, ihre Ideen und Ideale hat ihr Ehemann Claus-Steffen Mahnkopf in diesem Buch beschrieben und hat ihr mit diesem

liebevollen Porträt ein Denkmal gesetzt.

 

Pfeiffer, Lorenz/Zimmermann, Moshe (Hg.), Sport als Element des Kulturtransfers. Jüdische Sportler zwischen NS-Deutschland und Palästina, Göttingen

(Wallstein Verlag) 2013 (249 S., 24,90 €).

Sport ist nur auf den ersten Blick ein Randthema in der Geschichte des modernen Staates Israel – vielmehr war der Sport Teil des neuen Ideals des

zionistischen Menschen: Dieser sollte sportlich und wehrhaft sein. Damit war gezielt ein Gegenbild zum religiös-traditionellen Juden angestrebt, für den

sportliche Ertüchtigung keine Rolle spielte. Ebenso sollte es dem modernen antisemitischen Zerrbild vom schwachen Juden entgegentreten.

Dieser Band widmet sich deshalb in sieben Beiträgen dem Thema jüdischer Sportler zwischen ns-Deutschland und Palästina. Beleuchtet wird die

Entstehung einer (trans)nationalen Sportkultur, die Einführung des Turnunterrichts in Israel, die Beteiligung jüdischer Sportler aus Deutschland an der II.

Makka-biah 1935, Fußball als Element des Kulturtransfers zwischen Deutschland und Israel, Schulsport zwischen 1933–1938 in Israel etc. Am Ende

bietet der Band eine Dokumentation von Zeitungsartikeln und anderen Dokumenten.


Peter-Spörndli, Ursula, Die Zehn Worte vom Sinai. Die Rezeption des Dekalogs in der rabbinischen Literatur, Berlin (Pro Business GmbH) 2012 (164

S., 23,90 €).

Die 2010 an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern im Fach Judaistik eingereichte Dissertation besteht aus zwei

Teilen: Im ersten referiert Ursula Peter-Spörndli exegetische Grundfragen zum Dekalog (S. 15–64). Im zweiten Teil stellt Ursula Peter-Spörndli

rabbinische Diskussionen zum Zehnwort im Kontext der Sinaioffenbarung zusammen (S. 65–138). Eine Zusammenfassung schließt diese Arbeit ab.

Ursula Peter-Spörndli arbeitet dabei heraus, „dass die Zehn Worte vom Sinai auch aus rabbinischer Sicht eine Besonderheit innerhalb der Tora

darstellen. Im Gegensatz zur traditionellen Deutung, die sich auf den Inhalt der Zehn Worte beruft, beruht die Sonderstellung laut rabbinischer Literatur

auf der Art und den Umständen ihrer Offenbarung. Sie kann deshalb auch nur in diesem Kontext erklärt und verstanden werden.

Die Rabbinen sehen die Gabe der Zehn Worte in jeglicher Hinsicht als Ausdruck der Beziehung zwischen Gott und dem Volk Israel. Am deutlichsten

erkennbar wird dies in den Schilderungen der direkten Offenbarung durch die göttliche Stimme sowie der Tafeln als himmlisches Wunderwerk auf

irdischem Stein. Der Inhalt der Zehn Worte tritt dabei in den Hintergrund. So lässt sich auch die Tatsache erklären, dass der Dekalog trotz seiner

Eigenschaft als Gesetzestext und trotz der religionsgesetzlichen Orientierung der rabbinischen Literatur nicht als Halacha, sondern die Aggada – also

den nichtgesetzlichen, narrativen Teil dieser Literatur – geprägt hat.“ (S. 144).


Lenzen, Verena, Schalom Ben-Chorin. Ein Leben im Zeichen der Sprache und des jüdisch-christlichen Gesprächs (Jüdische Miniaturen 142), Berlin

(Hentrich & Hentrich Verlag) 2013 (96 S., 9,90 €).

In dem kleinen Bändchen zeichnet Verena Lenzen ein liebevolles Porträt von Schalom Ben-Chorin. Sie beleuchtet den Lebens- und Denkweg des 1913 in

München unter dem Namen Fritz Rosenthal geborenen und sich seit 1931 nennenden „Friede, Sohn der Freiheit“. Dabei wird nicht nur seine vielfältige

schriftstellerische, journalistische wie poetische Tätigkeit skizziert, sondern ebenfalls dargestellt, wie sich die dramatischen politischen Ereignisse des 20.

Jh. auf das Denken des vielfältig tätigen Schalom Ben-Chorin ausgewirkt haben.

Grund, Alexandra/Krüger, Annette/Lippke, Florian (Hg.), Ich will dir danken unter den Völkern. Studien zur israelitischen und altorientalischen

Gebetsliteratur. Festschrift für Bernd Janowski zum 70. Geburtstag, Gütersloh (Gütersloher Verlagshaus) 2013 (752 S., 68,00 €).

38 Beiträge umfasst diese Festschrift zum 70. Geburtstag des emeritierten Tübinger Alttestamentlers Bernd Ja-nowski. Der Sammelband enthält dabei

wichtige Beiträge zu Psalmen, Gebeten und der Jerusalemer Kulttradition aus biblischer, altorientalischer und zwisch-entestamentlicher Perspektive, aber

auch einige systematisch- und praktisch-theo-logische Beiträge. Als besonders instruktiv seien exemplarisch die Beiträge von Beate Ego „Vom

Völkerchaos zum Völkerkosmos. Zu einem Aspekt der Jerusalemer Kultkonzeption“, von Martin Leuenberger „Großkönig und Völkerkampf in Ps 48“ und

von Friedhelm Hartenstein „Exklusiver und inklusiver Monotheismus. Zum ‚Wesen’ der Götter in Deuterojesaja und den späten Psalmen“ genannt.


Hildesheimer, Meir / Morgenstern, Matthias, Rabbiner Samson Raphael Hirsch in der deutschsprachigen jüdischen Presse. Materialien zu einer

bibliographischen Übersicht (Texte und Studien zur deutsch-jüdischen Orthodoxie 1), Münster (lit Verlag) 2013 (356 S., 39,90 €).

Dies ist der erste Band einer neuen Reihe „Texte und Studien zur deutsch-jüdischen Orthodoxie“, in der jüdisch-orthodoxe Forschungsthemen in den

Mittelpunkt gestellt werden. Der Er-öffnungsband ist einer zentralen Gestalt der modernen Orthodoxie („Neoorthodoxie“) des 19. Jh. gewidmet:

Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808–1888). Seine Thesen, gerade die von ihm vertretene Vorstellung von der „Tora im Derech Erez“ (Tora „mit

bürgerlicher Geschäftstätigkeit“ oder „mit bürgerlichen Anliegen“), haben eine große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erfahren und sind kontrovers

diskutiert worden.

Daher sind in diesem Band Materialien der deutschsprachigen jüdischen Presse, die Hirschs Thesen und Werk zum Gegenstand haben, gesammelt und

nach Zeitung und Jahr sortiert worden. Ausgewertet wurden die „Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie“, die „Allgemeine Zeitung des

Judentums“, „Der Orient“, „Der treue Zions-Wächter“, „Ben Chananja“, „Der Israelit“, „Magyar Zsidó“ und „Die jüdische Presse“. Im Anhang befinden sich

Materialien zu Hirschs Kindern und Schwiegersöhnen sowie Briefe und Texte zum Austrittsstreit.

Ohne den Anspruch, vollständig zu sein, will die getroffene Auswahl doch ein repräsentatives Bild vom Echo auf Hirsch v.a. aus unterschiedlichen

jüdischen Presseorganen bieten, durch die der Hirsch-Forschung bisher unzugängliche oder nicht hinreichend ausgewertete Quellen neu zur

Verfügung gestellt werden. Ein Register sowie Angaben zu den wichtigsten genannten Personen erleichtern die Arbeit mit diesem Band.


Weippert, Manfred, Götterwort in Menschenmund. Studien zur Prophetie in Assyrien, Israel und Juda (frlant 252), Göttingen (Vandenhoeck &

Ruprecht) 2014 (304 S., 84,99 €).

Nicht nur acht Aufsätze von Man-fred Weippert aus den Jahren 1981–2002 zum Phänomen altorientalischer Prophetie vereint dieser Band, sondern er

bietet auch eine Übersetzung der neuassyrischen Prophetensprüche sowie ein Nachwort, in dem der Autor seine heutige, zum Teil modifizierte

Perspektive darstellt.

 

Lenzen, Verena (Hg.), Das Studium des Judentums und die jüdisch-christliche Begegnung. Unter Mitarbeit von Denis Maier und Stefan Heinzmann,

Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2013 (133 S., 29,99 €).

Zwei Jubiläen im Jahr 2011 waren der Anlass für ein Symposion und dessen Publikation in dem vorliegenden Band: Das 40-jährige Bestehen des

Fachs Judaistik und das 30-jährige Bestehen des Instituts für Jüdisch-Christliche Forschung an der Universität Luzern. „Studium des Judentums und

die jüdisch-christliche Begegnung“ lautete der Titel, der das zweifache Anliegen und zugleich die doppelte Anforderung deutlich macht, unter der das

Institut steht: Als Teil der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Luzern widmet es sich dem Thema der jüdisch-christlichen Begegnung,

versteht sich aber zugleich als Ort judaistischer Studien.

Die Jubiläen zum Anlass nehmend hat Verena Lenzen, die Institutsleiterin, Tagung und Sammelband als Standortbestimmung und Zwischenfazit initiiert.

Dies zeigen die Beiträge von Stemberger, Günter, Judaistik nach der Shoah im deutschsprachigen Raum; Diner, Dan, Jüdische Studien heute. Zwischen

Beteiligung und Beobachtung; Rosen, David, Jewish-Vatican Relations. Op-portunities and Problems; Lindemann, Benedikt M., Interreligiöse

Verständigung und Friedensarbeit im Heiligen Land und Zuckermann, Moshe, Der moderne Staat Israel. Historische Widersprüche, aktuelle Probleme.

Darüber hinaus benennt Verena Lenzen als Quersumme der weiteren Beiträge das Thema „Sprache“: Stemberger, Günter, Das rabbinische Judentum

als bleibende Basis jüdischer Kultur; Brenner, Michael, Hebräisch in Deutschland. Eine wechselvolle Geschichte; Hessing, Jakob, Germanistik in Israel.

Aspekte einer Trauerarbeit und Birkenhauer, Anne, Sprache und Existenz bei David Grossman und Chaim Beer. Beobachtungen der Übersetzerin.

 

Kaiser, Otto, Der eine Gott Israels und die Mächte der Welt. Der Weg Gottes im Alten Testament vom Herrn seines Volkes zum Herrn der ganzen Welt

(frlant 249), Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2013 (524 S., 120,00 €).

Unter dem neuen Titel „Der eine Gott Israels und die Mächte der Welt. Der Weg Gottes im Alten Testament vom Herrn seines Volkes zum Herrn der

ganzen Welt“ legt Otto Kaiser eine gründliche Neubearbeitung seines 2003 erschienenen dritten Teils seiner „Theologie des Alten Testaments“ vor, die

damals unter der Überschrift „Jahwes Gerechtigkeit“ stand. Die einzelnen Kapitel sind nicht nur überarbeitet worden, sondern haben auch wesentliche und

hilfreiche Erweiterungen erfahren.

Will man keinen schnellen Überblick, sondern anhand der biblischen Texte gut und intensiv in Welt und zentrale Themen des Alten Testaments und

seiner Überlieferung einsteigen, dann sei dieser Band empfohlen!


Römer, Thomas/Macchi, Jean-Daniel/Nihan, Christophe (Hg.), Einleitung in das Altes Testament. Die Bücher der Hebräischen Bibel und die

alttestamentlichen Schriften der katholischen, protestantischen und orthodoxen Kirchen, Zürich (Theologischer Verlag Zürich) 2013 (888 S., 62,00 €).

Diese Einleitung ist die Übersetzung der 2009 auf Französisch erschienenen zweiten, überarbeiteten und um gut 200 Seiten erweiterten „Introduction à

l’Ancien Testament“. Neben einer Einführung in Kanon, Textgeschichte, Verfasserkreise der Bibel und einem kurzen Abriss der Geschichte Israels

bietet dieser Band eine Einführung in die Bücher der Hebräischen Bibel sowie in die deuterokanonischen Schriften. Eine Besonderheit dieser

Einleitung ist, dass im letzten Teil auch die pseudepigraphen Schriften der Ostkirche (3 und 4 Makk; 3 und 4 Esra, Jubiläen, Henoch, Testament der

Zwölf Patriarchen) vorgestellt werden.

 

Küchler, Max, Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt. 2., vollständig überarbeitete Aufl. mit einem Beitrag von Klaus

Bieberstein (Orte und Landschaften der Bibel IV, 2), Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2014 (816 S., 150,00 €).

Unter gleichem Titel war 2007 die erste Auflage des Jerusalem-Führers von Max Küchler erschienen – nun gibt es die zweite und überarbeitete

Auflage. Die Veränderungen zwischen der ersten und der zweiten Auflage betreffen v.a. den Umfang: Die von 1266 Seiten auf 816 Seiten gekürzte

zweite Auflage hat v.a. die Forschungsdiskussion und die Darstellung divergierender Meinungen zugunsten der dem Autor selbst plausibelsten Lösung

herausgenommen; auch der wissenschaftliche Apparat ist wesentlich gekürzt worden. Damit ist die zweite Auflage ‚lesbarer’, aber keineswegs

undifferenzierter geworden, sondern hat im Gegenteil durch eine konzisere Darstellung gewonnen.

Will man also Jerusalem archäologisch und stadtgeschichtlich wirklich ergründen, sollte einem „der Küchler“ – weder in der ersten, noch in der zweiten

Auflage – auf keinen Fall zu teuer oder zu schwer sein!

 

Zwickel, Wolfgang/Egger-Wenzel, Renate/Ernst, Michael (Hg.), Herders neuer Bibelatlas, Freiburg i.Br. (Herder Verlag) 2013 (400 S., 49,99 €).

Dieser neue Bibelatlas ist mehr als nur ein Atlas, beinhaltet er nicht nur Kartenmaterial, sondern bietet vielmehr eine Einführung in die Landeskunde,

die Welt des Vorderen Orients sowie die einzelnen Epochen des Alten Israel von den Anfängen bis zur Ausbreitung des Christentums. Durch diese

historische Abgrenzung wird deutlich, dass hier eine christliche Perspektive den Blick auf die biblische Welt vorgibt. Der Bibelatlas besteht zum einen

aus gutem Kartenmaterial, das klar gezeichnete und für das geschulte wie zu schulende Auge gut erfassbare Karten bietet. Zum anderen enthält der

Atlas von verschiedenen Autoren verfasste Texte, in denen gut verständlich und zugleich auf wissenschaftlichem Niveau die Leser in die einzelnen

Themen eingeführt werden. Ergänzt wird der Text um Abbildungen archäologischer Funde und Skizzen und Rekonstruktionen. Am Ende findet sich

zudem ein methodischer Teil, der die Leser in die Arbeitsgrundlage der Kartografie und der Archäologie einführt. Ein für an der Welt des Alten Israels,

des Alten Orients und der Geschichte Israels Interessierte empfehlenswertes Buch!

 

Koenen, Klaus, Die Klagelieder Jeremias. Eine Rezeptionsgeschichte (BThSt 143), Neukirchen-Vluyn (Neu-kirchener Verlag) 2013 (123 S., 22,99 €).

Diese Studie ist eine Vorarbeit für die Kommentierung der Klagelieder Jeremias, die im „Biblischen Kommentar“ erscheinen soll. Dabei ist der Begriff

der „Rezeptionsgeschichte“ weit gefasst: Im ersten Teil geht es um die Aufnahmen der Threni in alttestamentlicher und zwischentestament-licher

Literatur, im zweiten um die Bezeichnungen des Buches und dessen Aufnahme in den Kanon. Der dritte Teil stellt die hebräische Textüberlieferung und

die antiken Übersetzungen zusammen. Sodann werden in den weiteren Teilen die Rezeptionen in der jüdischen sowie christlichen Tradition, in der

Musik, der bildenden Kunst und der Literatur zusammengestellt.

 

Witte, Markus, Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Weisheit und Geschichte in den Psalmen (BThSt 146), Neukirchen-Vluyn (Neukirchener Verlag) 2014 (197 S., 26,99 €).

In diesem Band hat Markus Witte, der an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrende Alttestamentler, sechs seiner zwischen 2000 und 2013

erschienenen Beiträge zu einzelnen Psal-men publiziert. Dabei zeigt sich, dass die Psalmen 33; 37; 49; 73; 78 und 114 auf je eigene Weise das

Thema „Zeit“ anthropologisch sowie weisheits- und geschichtstheologisch reflektieren. Auf diese Weise ist diese biblisch-theolo-gische Studie mehr als

nur eine Zusammenstellung verschiedener Beiträge – es zeigt sich, wie das Thema „Zeit“ in unterschiedlichen Konstellationen in Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft über den Einzeltext hinaus im Psalter reflektiert wird.

Teitelbaum, Joseph, Aufstand der Juden gegen Rom. Zwei Jahrhunderte des Widerstandes von 64 v. Chr. bis 137 n. Chr. Mit einer Einführung von

Raul Teitelbaum, Berlin (Pro Universi-tate Verlag im bwv) 2012 (265 S., 29,00 €).

Dieses Buch ist nicht nur eine Studie über den Aufstand der Juden gegen Rom, das die Ereignisse zwischen 64 v. Chr. und 137 n. Chr. zu beschreiben sucht. Dieses Buch ist vielmehr auch ein Zeugnis über das 20. Jh. und die Odyssee eines Manuskriptes: Nach dem Krieg und der Befreiung von Raul Teitelbaum und seiner Mutter aus dem Konzentrationslager erhielten sie einen Koffer von Nachbarn zurück, der bei ihnen zurückgelassen worden war. Darin fanden Mutter und Sohn ein ihnen bis dahin unbekanntes Manuskript über den „Aufstand der Juden gegen Rom“ ihres Ehemannes und Vaters Joseph Teitelbaum, der nach der Befreiung von Bergen-Belsen an den Folgen der Haft verstorben war. Jahrzehnte lang bleibt dieses Manuskript liegen, bis es 2012 der Sohn Raul Teitelbaum publizierte. In einer ausführlichen Einführung beschreibt er das Leben seines Vaters und die Geschichte des Manuskripts. 1891 in Galizien geboren und aus einer religiösen Familie stammend hatte sich Joseph Teitelbaum von der religiösen Ausrichtung der Familie abgewandt und war nach Wien gegangen, um dort Medizin zu studieren. Während des Ersten Weltkriegs musste er sein Studium unterbrechen und erhielt 1920 das Ärztediplom. Als nun polnischer Staatsbürger ging mit dem Diplom laut einer Entscheidung von 1912 der Verzicht auf eine Zulassung als Arzt in Österreich einher. Daher ging Joseph Teitelbaum als Militärarzt nach Prizren, einer Garnisonsstadt an der albanischen Grenze des „Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen“. In diesen 20er Jahren dürfte auch das vorliegende Manuskript über den Aufstand der Juden gegen Rom verfasst worden sein. Vom (Sprach)Ton fremd und zugleich verständlich geschrieben liest sich die Abhandlung auf beiden Ebenen als überaus spannend: als Studie über die Ereignisse des jüdischen Widerstands zwischen 64 v. Chr. und 137 n. Chr. und zugleich als Zeugnis jüdischen Selbstverständnisses im 20. Jh. Die Darstellung über den Widerstand der Juden gegen Rom entzieht sich seiner Zeit nicht und ist auch ein Spiegel der Ereignisse der Welt nach dem Esten Weltkrieg, der Atmosphäre nach dem Habsburger Reich in der sich neu sortierenden Welt auf dem Balkan. So beginnt Joseph Teitelbaum seine Abhandlung mit folgenden Worten: „Die Römer waren das erste Volk der Welt in Bezug auf Angriff, Eroberung und Unterjochung, die Juden dagegen das erste Volk als Symbol moralischer Kraft und Hartnäckigkeit im Widerstand“ (S. 35).

 

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