Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Bücherschau: Barbara Schmitz

 

Oberhänsli-Widmer, Gabrielle, Bilder vom Bösen im Judentum. Von der Hebräischen Bibel inspiriert, in jüdischer Literatur weitergedacht,

Neukirchen-Vluyn (Neukirchener Verlagsgesellschaft) 2013 (220 S., 30,00 €).

In sieben Motivkomplexen zeichnet Gabrielle Oberhänsli-Widmer die Ent-wicklung von der Erzählung („Bilder“) über das Böse in der jüdischen Tradition:

der Baum der Erkenntnis, Leviathan und Behemoth, Kain, der Fall der Engel, der böse Trieb, die Bindung Isaaks und Esau. Diese ‚Bilder’ alle eint, dass

sie nicht nur aus der Tora, sondern spezieller noch aus dem Buch Bereschit/Genesis stammen. Das eigentlich Spannende aber ist, dass die Analysen

von Gabrielle Oberhänsli-Wid-mer gerade nicht bei dem biblischen Befund stehen bleiben, sondern dass sie vielmehr die Rezeptionen und

(Weiter)Entwicklungen dieser ‚Bilder’ über die Jahrhunderte in der israelitischen, jüdischen und israelischen Literatur bis heute verfolgt. So treffen

alttestamentliche Texte auf wirkungsgeschichtliche Folgetexte und ergeben „ein exegetisches Spiel, bei dem nicht nur die Heilige Schrift das

nachbiblische Schrifttum inspiriert, sondern umgekehrt auch das spätere jüdische Literaturschaffen die biblischen Texte in ein neues und nicht selten

ungewohntes Licht setzt“ (S. 197).

Diesem ‚Spiel’ geht Gabrielle Oberhänsli-Widmer nach und resümiert: „Das Böse ist und bleibt immer nur in Teilmodellen, einzelnen Figuren und

Motiven, nie aber als Gesamtphänomen erklärbar, denn stets hält sich hartnäckig ein Restbestand an Aporie, eine argumentative Lücke, eine offene

Frage […]. Das Böse erweist sich im wahrsten Sinn des Wortes als viel-seitig und es scheint nicht möglich, all seine Seiten gleichzeitig in den Blick zu

bekommen“ (S. 199).

Präzise analysierend und sprachlich feinsinnig formulierend beschert Gabrielle Oberhänsli-Widmer den Leserinnen und Lesern Ihrer Studie eine

bereichernde wie – angesichts des Themas durchaus überraschend – auch eine vergnügliche Lektüre!


Brunner, José (Hg.), Deutsche(s) in Palästina und Israel. Alltag, Kultur, Politik. Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 41, Göttingen (Wallstein

Verlag) 2013 (307 S., 36,00 €).

Das Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte beschäftigt sich 2013 mit der geographischen und kulturellen Polarität, die bereits mit dem Titel

„Deutsche(s) in Palästina und Israel“ angedeutet ist. In fünfzehn Beiträgen werden drei große Felder ausgeleuchtet: Alltag, Kultur und Politik.

In einem ersten Teil wird aus sozialhistorischer und soziologischer Perspektive der Alltag der Einwanderer in den Blick genommen: so z.B. der Konflikt

zwischen den Synagogen Binjan Zion und Chorew, eine Auseinandersetzung zwischen zwei deutschen Einwander-ergemeinden in Jerusalem (Christian

Kraft) ebenso wie eine Untersuchung dreier Kochbücher („Wie kocht man in Erez-Israel“, „Küchenzettel in Krisenzeiten“ und „Haushalts-Lexikon für

Erez-Israel“), um unter der Frage „Schlagsahne oder Shemen-Öl?“ das Einleben und die Selbstidentität gerade der Frauen unter völlig veränderten

Lebensbedingungen in Israel an Beispielen aus dem Alltag aufzuzeigen (Viola Rautenberg-Allianov).

Als zweiter Bereich wird die Kultur der Jeckes mit dem Schwerpunkt Bücher, Bibliotheken und Archive untersucht: von der Frage der hebräischen

Übersetzung deutscher Klassiker (Nitsa Ben-Ari) über die Frage der Konstruktion von „Heimat“ deutschsprachiger Schriftsteller/innen in Israel (Judith

Poppe) bis hin zu Büchersammlungen von Einwanderern in Israel (Caroline Jessen) bzw. entsprechender Nachlässe (Stefan Litt).

Der dritte Bereich beleuchtet die politische Ebene: von der bundesdeutschen Beobachtermission anlässlich des Eichmann-Prozesses in Jerusalem

(Dominique Trimbur), über deutsche Sportler in Israel in den Jahren 1966-1971 (Robin Streppelhoff) und der Frage nach dem Beitrag des

Jugendaustausches zwischen Deutschland und Israel (Simone Evelyn Heil) bis hin zu dem veränderten Image der Deutschen in Israel seit der

Wiedervereinigung (Moshe Zimmermann).


Fellmeth, Ulrich/Mell, Ulrich (Hg.), Pilgerwege ins „Heilige Land“. Beiträge zur Religionsgeografie der Alten Kirche, Frankfurt (Peter Lang Verlag) 2012

(128 S., 25,95 €).

Der Band vereinigt die Beiträge eines interdisziplinären Symposiums zum Thema „Frühchristliche Pilgerwege ins Heilige Land“, das vom Institut für

Kulturwissenschaften der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Hohenheim 2009 veranstaltet wurde. Zwei Beiträge widmen

sich dem Bericht der Pilgerin Egeria (Marion Giebel; Hanswulf Bloedhorn). Praktische Fragen wie die verkehrstechnischen und kartografischen

Voraussetzungen sowie der Kontext der Religions- und Kirchbaupolitik unter Kaiser Constantin werden von Ulrich Fellmeth untersucht. Ulrike Mell

erläutert Veränderungen in der Konzeptionierung von elitärer zur öffentlicher Heiligkeit und Oliver Dyma die Wallfahrt zum Jerusalemer Tempel in seiner

Spätphase.


Trepp, Leo, Lebendiges Judentum. Texte aus den Jahren 1943 bis 2010, hg. v. Gunda Trepp. Mit einem Geleitwort von Karl Kardinal Lehmann, Stuttgart

(Kohlhammer Verlag) 2013 (269 S., 24,90 €).

Leo Trepp, geboren 1913 in einer neo-orthodoxen Familie in Mainz, deportiert in das kz Sachsenhausen, emigriert nach England und in die USA, gestorben

2010 in Kalifornien, jüdischer Intellektueller, Religionsphilosoph und Rabbiner, hat in den Jahren seines Schaffens nicht nur eine Reihe von viel rezipierten

Büchern, wie z.B. „Die Geschichte des jüdischen Gottesdienstes“, verfasst, sondern auch eine Vielzahl von Aufsätzen.

Auf Initiative seiner Frau Gunda Trepp sind fast dreißig dieser Aufsätze nun in einem Band vereint worden. So ist jetzt ein leichter Zugriff auf die an sehr

unterschiedlichen Orten publizierten Aufsätze möglich, der die Denkwelten von Leo Trepp beleuchtet: Einen breiten Raum nehmen dabei Aufsätze zu

jüdischen Philosophen wie Leopold Zunz, Samson Raphael Hirsch, Hermann Cohen, Franz Rosenzweig u.a. ein. Ebenso aufschlussreich sind aber auch

seine Aufsätze zu theologischen wie gesellschaftlichen Themen: So findet sich hier ein Artikel zu „Von der Messiasidee im Jüdisch Sein“ ebenso wie

Artikel zu Fragen wie „Was, wenn Shylock ein Marrano wäre?“, „Der jüdisch-islamische Imperativ“ oder „Was Juden über Nicht-Juden denken“.


Münz, Christoph / Sirsch, Rudolf W. (Hg.), „… damit es anders anfängt zwischen uns allen.“ 60 Jahre Woche der Brüderlichkeit (Forum Christen und

Juden, Bd. 8), Berlin (LIT-Verlag) 2012 (261 S., 24,90 €).

Das 60. Jubiläum der „Woche der Brüderlichkeit“ wird mit diesem Band gefeiert. Neben hochkarätigen Grußworten (Angela Merkel, Dieter Graumann,

Robert Zollitsch und Nikolaus Schneider) sind in diesem Band ältere Beiträge, so z.B. von Theodor Heuss (1952) oder von Richard von Weizsäcker

(1986), ebenso abgedruckt wie zahlreiche aktuelle Beiträge, die die Geschichte, Entwicklungen, Erträge, aber auch Problemfelder dieser 60 Jahre

„Woche der Brüderlichkeit“ reflektieren. Dass dieser Band zugleich einer der wichtigsten und präsentesten Personen im Gespräch zwischen Judentum

und Christentum in Deutschland, Landesrabbiner Henry G. Brandt zu seinem 85. Geburtstag gewidmet ist, zeigt, dass nicht die „Brüderlichkeit“, sondern

die sie gestaltenden Menschen im Mittelpunkt stehen.


Bultmann, Christoph / Siwczyk, Birka (Hg.), Tolerant mit Lessing. Ein Lesebuch zur Ringparabel, Leipzig (Ev. Verlagsanstalt) 2013 (344 S., 14,80 €).

Dass Lessings Drama „Nathan der Weise“ und insbesondere die in diesem enthaltene Ringparabel Toleranz be-fördere, erscheint je deutlicher als eine

Hypothese, desto mehr diese als eine Gewissheit erachtet wird. Vor diesem Hintergrund ist genaues Hinschauen von Nöten: In sechzehn Beiträgen wird

daher in diesem Band die Ringparabel beleuchtet und ermöglicht Differenzierungen, Nachdenklichkeiten und Nachfragen. Und so regt dieses „Lesebuch

zur Ringparabel“ zu vielen Fragen an – auch zu der, ob nicht hinter den Titel „Tolerant mit Lessing“ ein Fragezeichen gehöre.


Pilger, Tanja/Witte, Markus (Hg.), Zion. Symbol des Lebens in Judentum und Christentum (Studien zu Kirche und Israel. Neue Folge Bd. 4), Leipzig (Ev.

Verlagsanstalt) 2013 (216 S., 24,00 €).

Zion liegt in Jerusalem. Als ursprüngliche Bezeichnung des Südosthügels, als Ort der kanaanäischen Akropolis und Stätte des salomonischen Tempels ist

„Zion“ aber weit mehr als nur eine (überholte) geographische Bezeichnung – sie ist vielmehr ein Theologumenon, das theologisch aufgeladen und vielfach

überhöht zur Chiffre und Projektionsfläche für sehr unterschiedliche Vorstellungen geworden ist. Die verschiedenen Füllungen, je nach zeitgenössischen

Bedingtheiten und Zeitumständen, zu verfolgen, war das Ziel einer im Rahmen der 13. Christlich-Jüdischen Sommeruniversität veranstalteten Tagung:

„Zion – Symbol des Lebens in Judentum und Christentum“.

So werden die alttestamentlichen Hintergründe des Vorstellungskomplexes ‚Zion’ in der alttestamentlichen Literatur (Corinna Körting), im Buch Jesaja

(Konrad Schmid) und in den Psalmen (Dalia Marx) beleuchtet. Die Weiterentwicklung dieses Motivs wird in der Literatur von Qumran (Emanuel Tov,

Andrew Teeter), im Neuen Testament (Rainer Kampling), in der rabbinischen Literatur (Walburga Zum-broich), der poetischen Gebetsliteratur (Meret

Gutmann-Grün) und bei Martin Luther (Markus Wriedt) verfolgt.


Utzschneider, Helmut / Oswald, Wolfgang, Exodus 1-15 (Internationaler Exegetischer Kommentar zum Alten Testament), Stuttgart (Kohlhammer

Verlag) 2013 (370 S., 69,90 €).

Dieser Kommentar zu Ex 1-15 ist einer der ersten beiden Pilotbände der neuen Kommentarreihe „Internationaler Exegetischer Kommentar zum Alten

Testament“ (iekat), der sich bewusst an ein breites Publikum wendet und Fachleute, Theologen wie den interessierten Laien ansprechen will. Konkret

bedeutet dies z.B., dass grundsätzlich alle hebräischen Begriffe übersetzt sind. So können auch die des Hebräischen nicht Mächtigen den Kommentar

benutzen.

Des weiteren zeichnet sich diese Kommentarreihe dadurch aus, dass die Texte aus einer doppelten Perspektive kommentiert werden: zum einen auf

synchroner Ebene, indem eine bestimmte Stufe der Entstehung, v.a. der Endstufe, in den Blick genommen wird, und zum anderen auf einer diachronen

Ebene, indem die Entstehung und das Werden des Textes beleuchtet wird.

In dem vorliegenden Band stammt die synchrone Kommentierung von Helmut Utzschneider, die diachrone von Wolfgang Oswald.

Nach einer Einleitung, die in die Exoduserzählung klar und verständlich einleitet, erfolgt die Kommentierung aus dieser doppelten Perspektive in zwei

getrennten Durchgängen. Dies setzt die Leser und Leserinnen in den Stand, mit unterschiedlichen Perspektiven auf die Texte zu blicken. Ob es dann noch

die darauf jeweils folgende „Synthese“ braucht, zumal diese aufgrund der Begrifflichkeit Erwartungen weckt, die kaum eingelöst werden können, sei dahin

gestellt. In jedem Fall darf man auf die Fortführung für die Kapitel Ex 16-40 gespannt sein!


Carr, David M., Einführung in das Alte Testament. Biblische Texte – imperiale Kontexte, Stuttgart (Kohlhammer Verlag) 2013 (366 S., 29,90€).

David Carrs Einführung in das Alte Testament ist nicht nach der kanonischen Anordnung der biblischen Bücher geordnet, sondern nimmt als Leitfaden die

Geschichte Israels. Abschnittsweise wird jede Epoche behandelt, um in ihr die jeweilige Entstehung der Texte zu verorten. Der Untertitel „biblische Texte –

imperiale Kontexte“ deutet dies bereits an. Auch wenn man sich über die Datierung der Texte und deren zeitliche Verortung trefflich streiten kann, so

ermöglicht diese ‚Sortierung’ einen hermeneutischen Zugriff, der nicht mit der Anordnung der Bibel selbst parallel läuft.

(Fast) jedes Kapitel enthält einen sog. „Fokus-Text“, der typisch für die behandelte Epoche ist und an dem zentrale Aspekte exemplarisch erläutert werden.

Darüber hinaus finden sich in jedem Kapitel vier unterschiedliche „Boxen“: Basis- und Methodeninformationen, weiterführende Informationen sowie

Lektüreempfehlungen. Ein jedes Kapitel wird zudem durch einen „Rückblick“ abgeschlossen, in dem Fragen formuliert sind, die der Überprüfung des in

diesem Kapitel Gelernten dienen sollen.


Hanspeter Heinz / Werner Trutwin (Hg.), Aktuelle Probleme am Anfang des Lebens. Juden und Christen im Dialog mit Ethik, Recht und Medizin (2013)

[elektronische Dokumentation zu finden unter:

http://www.zdk.de/organisation/gremien/gespraechskreise/gespraechskreis-juden-und-christen-beim-zdk/tagungen.

In dieser online-Publikation sind die Beiträge der Fachtagung „Biomedizinische Forschung und ihre ethische Herausforderung zwischen Judentum und

Christentum“ vom 6. bis 8. November 2011 dokumentiert. Veranstaltet vom Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen

Katholiken (ZdK) und der Katholischen Akademie in Bayern werden die an vielen Orten und Kontexten breit diskutierten biomedizinischen Fragen unter

einer dreifachen Perspektive neu beleuchtet. Erstens: Wo finden sich sachlich und inhaltlich ethische Differenzen zwischen christlichen und jüdischen

Positionen zu biomedizinischen Fragen mit Blick auf Lebensbeginn, Abtreibung, Reproduktionsmedizin etc.? Zweitens: Wie erklären sich diese Differenzen

hermeneutisch angesichts der Tatsache, dass der Ausgangspunkt jeweils die gleiche „Heilige Schrift“ ist? Drittens: Welche Perspektiverweiterung ergibt sich

jeweils durch die Position des Anderen?

Dabei kommen die medizinische (Jürgen Krieg: „Im Dienst des Lebens. Erfahrungen eines Arztes“) und die juristische Perspektive (Walter Gropp:

„Rechtsschutz der Embryonen in Deutschland. Darstellung des Juristen“) ebenso zu Wort wie die Katholische (Konrad Hilpert: Im Gespräch mit dem Lehramt

der Kirche. Reflexion eines katholischen Ethikers), die Protestantische (Hans G. Ulrich: „Wortmeldung eines evangelischen Theologen“) und die Jüdische

(Jonah Sievers: „Ethische Grundlegung. Hinführung zu einer jüdischen Hermeneutik; Tom Kučera: „Abtreibung – eine jüdische Stellungnahme“; Julien Chaim

Soussan: „Jüdische Überlegungen zur Reproduktionsmedizin“; Sarah Werren: „’Brave New Israel’. Rechtliche und religiöse Aspekte medizinisch

assistierter Reproduktion in Israel“).


Gelobtes Land? Land und Staat Israel in der Diskussion. Eine Orientierungshilfe. Herausgegeben im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland,

Gütersloh (Gütersloher Verlagshaus) 2012 (128 S., 6,99 €).

Es sind nicht wenige kritische Zeitgenossen, die in der als ‚Orientierungshilfe’ gedachten Schrift selbst mehr Orientierung wünschten. Die im Auftrag der

Evangelischen Kirche in Deutschland, der Union Evangelischer Kirchen in der EKD und der Vereinigten-Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands

herausgegeben Schrift geht die Frage nach einer theologischen Positionierung heute mit Blick auf Land und Staat Israel historisch in Form eines

Durchgangs durch die geschichtliche Entwicklung an. Dass dieser nicht wenige Fehler und Ungenauigkeiten aufweist (vgl. z.B. die Zusammenstellung der

Kritik auf www.compass-infodienst.de), ist das eine. Das andere ist das so geteilte Echo, das diese Schrift heraufbeschworen hat. Zeigt sich hier, dass die

wohlmeinende Rede vom ‚jüdisch-christlichen Dialog’ sich dann entscheidend verändert, wenn sie politisch zu werden droht?


Rohls, Jan, Schrift, Tradition und Bekenntnis (Ideengeschichte des Christentums Band II), Tübingen (Mohr Siebeck Verlag) 2013 (1027 S., 59,00 €).

Jan Rohls durchschreitet auf über 1.000 Seiten die als Ideengeschichte des Christentums konzipierte Studie unter den Aspekten „Schrift, Tradition und

Bekenntnis“ vom Alten Israel bis in das 20. Jh. Während zunächst die Entstehung der biblischen Schriften und die Kanonwerdung in den Blick genommen

werden, geht es im Großteil seines Werkes um die Interpretation der autoritativen Schrift, ihrem hermeneutischen Umgang sowie der an ihre Seite

gestellten Prinzipien von Bekenntnis und Tradition.


Strube, Angelika, Rechtsextremen Tendenzen begegnen. Handreichung für Gemeindearbeit und kirchliche Erwachsenenbildung. Mit CD-ROM, Freiburg

(Verlag Herder) 2013 (192 S., 16,99 €).

Dem Rechtsextremismus begegnen, ist zunehmend kein gesellschaftliches Randphänomen mehr, vielmehr greifen rechtextreme Tendenzen immer stärker in

die gesellschaftliche ‚Mitte’ und fassen zunehmend auch in kirchlichen Kontexten Fuß. Gerade angesichts der geschlossenen Argumentationsketten und der

Immunisierungsstrategien rechtsextremer Gedankenwelten ist die Handreichung von Angelika Strube bedeutend. Konzipiert für die konkrete Arbeit in

Gemeinde und kirchlicher Erwachsenenarbeit, geht es um das Erkennen rechtsextremer Tendenzen („Wie verbreitet sich rechtes und rechtsextremes

Gedankengut mitten in der Gesellschaft?“, „Mit welchen Strategien arbeiten Rechte?“, „Was sind Kennzeichen rechtextremer Gesinnung?“ etc.), um den

Umgang mit diesen aus einer spezifisch christlichen Perspektive („Warum sind christlicher Glaube und rechtsextreme Ideologie unvereinbar?“,

„Nächstenliebe auch für Neonazis?“) sowie um Informationen gerade bezüglich rechtsextremer Inhalte auf Internetseiten. Die beigefügte CD-Rom enthält für

die Praxis aufbereitete Arbeitsmaterialien.


Papst Franziskus, "Über Himmel und Erde". Jorge Bergoglio im Gespräch mit dem Rabbiner Abraham Skorka. Aus dem Spanischen von Silke

Kleemann, Matthias Srobel. Herausgegeben von Diego F. Rosemberg, München (Riehmann Verlag) 2013 (255 S., 19,99 €).

Als zwei langjährige Freunde werden Jorge Bergoglio und Abraham Skorka vorgestellt – der eine mittlerweile Papst Franziskus, vormaliger Erzbischof von

Buenos Aires, der andere Rabbiner ebenfalls in Buenos Aires. Reizvoll ist dieses Bändchen deshalb, weil der Entschluss, die gemeinsamen Gespräche

aufzuzeichnen und zu veröffentlichen, vor der Wahl Bergoglios zum Papst stattgefunden hat. Insgesamt neunundzwanzig Themenfelder schreiten die beiden

im Gespräch miteinander ab: Gott, Teufel, Atheisten, Gebet, Fundamentalismus, Frauen, Abtreibung, Scheidung, Armut, Holocaust, die Siebzigerjahre etc.

Die meist knappen Sequenzen bieten keine ausführliche Behandlung von Themen, sondern werfen oftmals nur kurze Schlaglichter. Dennoch zeichnen

sich neben Gemeinsamkeiten und Zustimmungen auch Differenzen und unterschiedliche Mentalitäten ab.

Was für jedes Gespräch selbstverständlich sein sollte, ist jedoch vor der von christlicher Seite anderen und jahrhunderte alten Tradition etwas

Besonderes: Man hört einander zu, ohne den anderen dominieren zu wollen. Divergierende Standpunkte scheint man in diesem Gespräch nebeneinander

stehen lassen zu können. Ob diese Grundhaltung den Weg über den Altantik schafft?

 

Henrix, Hans Hermann, Zuspruch aus fremden Quellen. Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Judentum und Christentum, Kevelaer (topos

taschenbücher) 2012 (292 S., 14,90 €).

Das Gespräch zwischen Judentum und Christentum, insbesondere das ‚offizielle’, auf vielen Ebenen institutionalisierte Gespräch besteht in erster Linie

aus Dokumenten und Schriften. Dass dieses Gespräch aber keineswegs aus diesen entsteht, das zeigt Hans Hermann Henrix, langjähriger Direktor der

Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen. Als ein seit Jahrzehnten weltweit im jüdisch-christlichen Gespräch bekannter und vernetzter Theologe hat er

auf allen Ebenen das Gespräch zwischen Judentum und Christentum befördert. Aus den Jahrzehnten seiner Tätigkeit resultieren zahlreiche persönliche

Begegnungen, die für ihn wie für andere prägend waren.

Die in diesem Buch vorgestellten Persönlichkeiten, sechzehn Männer und eine Frau, porträtiert Hans Hermann. Sie haben ihn geprägt, viele von ihnen hat

er persönlich kennen gelernt und verbindet mit ihnen eine intensive und eigene Geschichte: Schalom Ben-Chorin, Papst Benedikt XVI., Martin Buber,

Ernst Ludwig Ehrlich, Albert H. Friedlander, Bischof Klaus Hemmerle, Papst Johannes Paul II., Leon Klenicki, Janusz Korczak, Emmanuel Levinas,

Jakob J. Petuchowski, Gerhart M. Riegner, Daniel Oswald Rufeisen, Michael A. Signer, Edith Stein, Jacob Taubes und Miloslav Kardinal Vlk.

So begegnet man in diesen Porträts beeindruckenden Persönlichkeiten, die zeigen, was „Zuspruch aus fremden Quellen“ bedeuten kann: „Die Begegnung mit Anderen ist stets eine ethische Herausforderung. Und doch lässt der Glücksfall des Lebens sie über das Ethische hinaus immer neu als Bereicherung erleben. Das Leben wird reich, wenn es sich vom Anderen anrufen lässt. Neue Horizonte erschließen sich, unvertraute Perspektiven tun sich auf, ein unerwarteter Zuspruch kommt entgegen, Sinnverstörungen können aufgehellt werden. Der Radius des Lebens wird weiter“ (S. 7).

 

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