Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Heft 2013-2: Editorial

 

Dieses Heft von Kirche und Israel ist Edna Brocke zum 70. Geburtstag gewidmet, den sie am 31. August 2013 in Ramat HaSharon bei Tel Aviv feiern konnte. Edna Brocke hat diese Zeitschrift mitgegründet, war vom ersten Heft an bis heute in der Herausgeberschaft, hat zahlreiche Beiträge verfasst, auch Übersetzungen aus dem Hebräischen und dem Englischen beigesteuert, aber nicht zuletzt eine Hauptlast der Redaktion der Einzelhefte in vielerlei Hinsicht getragen. Ihre intellektuellen und ihre aus politischen und historischen Kenntnissen, nicht zuletzt aus einem breiten Wissen über das Judentum und Israel rührenden Interventionen haben Stil und Richtung der Zeitschrift maßgeblich geprägt und auch immer wieder zu höchst lebendigen Diskussionen unter den Herausgeberinnen und Herausgebern geführt. Wir entbieten Edna Brocke deshalb unseren tiefempfunden Dank. Anlässlich ihres 70. Geburtstags gratulieren wir herzlich und freuen uns auf viele weitere Jahre und Hefte, die wir mit ihr gemeinsamen gestalten. Ad meah-we'esrim!        !עד מאה ועשרים 


Klaus Wengst, der emeritierte Bochumer Neutestamentler, würdigt in seiner „Lobrede“ die besondere Bedeutung, die Edna Brocke seit Jahrzehnten im christlichen-jüdischen Dialog zukommt. Er bringt sie so auf den Punkt: „Was Edna Brocke als Grenzgängerin in besonderer Weise auszeichnet, ist ihr Widerspruch gegen die Tendenz, Grenzen zu verwischen, die bleiben müssen.“


Das Heft beginnt mit einer kritischen Analyse der Politik des Ökumenischen Rats der Kirchen gegenüber Israel durch Wolfgang und Ekkehard W. Stegemann. Der Beitrag zeigt, dass der Weltkirchenrat seit seiner Gründung 1948 das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes nie positiv unterstützt und die Entstehung des Staates Israel allenfalls als Faktum akzeptiert hat. Dagegen hat er sich immer wieder für das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser eingesetzt und zunehmend eine einseitige, anti-israelische Politik vertreten, die in antisemitischen Stellungnahmen zum jüdischen Staat gipfelte.


In der Dokumentation drucken wir die letzte Erklärung des Ökumenischen Rats der Kirchen und des Rats der Kirchen im Mittleren Osten ab, die am 29. Mai 2013 in Beirut beschlossen wurde.


Zwei Beiträge beschäftigen sich mit der Welt jüdischer Bibliotheken. Zum einen gibt Beata Mache einen informativen Überblick über Geschichte und Bedeutung der Einrichtung von Bibliotheken in jüdischen Gemeinden Mitteleuropas, während zum anderen Yvonne Domhardt   mit Kenntnis und Einfühlungsvermögen speziell die Entstehung und gegenwärtige Problematik der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde Zürich darstellt. Ihr Artikel ist ein gelungenes Plädoyer für die Weiterexistenz dieser Bibliothek. Sie war entstanden in einer Zeit, in der in Deutschland die Vernichtung der Juden begann und viele von ihnen in der Schweiz Aufnahme fanden, auch in Zürich. D.h. ihre bloße Existenz ist so etwas wie ein Fanal gegen den gewollten Untergang der jüdischen Kultur, doch es ist zu befürchten, dass sie jetzt, in einer Zeit allgemeiner Wohlfahrt, vom Aus bedroht ist. Man kann denen, die über die Weiterexistenz der Bibliothek der jüdischen Gemeinde in Zürich zu entscheiden haben, nur empfehlen, sich diesen Beitrag und den von Beata Macha zu Herzen zu nehmen.


Jürgen Seim gelingt in seinem feinsinnigen Artikel zu Paul Celan das Kunststück, an einigen Beispielen dessen nicht zuletzt wegen ihrer Inhalte und vor allem auch ihrer äußersten sprachlichen Verknappung schwieriger Gedichte interpretativ zu erhellen. Sein Artikel ist zugleich eine Einführung in das poetische Werk und die tragische Lebenswelt Celans, ohne jedoch den Anspruch zu erheben, dass das eine (das Werk) durch das andere (die Biographie) erklärbar wäre.


In der Rubrik „Klassiker der jüdischen Literatur“ bespricht Gabrielle Oberhänsli-Widmer diesmal die Schabbat-Hymne Lecha Dodi, „Auf, mein Geliebter, der Braut entgegen“, ein besonders populäres synagogales Gedicht aus dem galiläischen Safed des 16. Jahrhunderts. Dabei versucht die Autorin, die außerordentliche Geschichte dieses Textes aufzurollen, sein Erfolgsrezept zu entschlüsseln und vielmehr noch, seinen geheimnisumwitterten Geliebten aufzuspüren. Schließlich hat dieses Lied über die Generationen ungezählte Sänger und Beter becirct und bekanntlich selbst Heinrich Heine den Kopf verdreht.


Hans Hermann Henrix erinnert in einem Nachruf an Ruth Weyl, die über viele Jahre hin Vorstandsmitglied des ICCJ war. Trotz oder gerade wegen ihrer persönlichen Erfahrungen mit dem antisemitischen Furor Nazideutschlands war für sie die jüdisch-christliche Beziehung eine „Herzenssache“.


Claudia Meretz schildert ihre Eindrücke beim Besuch der Ausstellung „Juden. Geld. Eine Vorstellung“ im Frankfurter Jüdischen Museum. Offenbar ist es den Verantwortlichen dieser Ausstellung nicht gelungen, die in dem provokativen Titel angesprochene antisemitische Imagination der Gleichsetzung von „Juden“ und „Geld“ einem Wirklichkeitstest zu unterziehen. 

 

Die instruktive Bücherschau verdanken wir wieder Barbara Schmitz.


Die Herausgeberinnen und Herausgeber

 

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