Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Bücherschau: Barbara Schmitz


Deusel, Antje Yael, Mein Bund, den ihr bewahren sollt. Religionsgeschichtliche und medizinische Aspekte der Beschneidung, Freiburg i. Breisgau

(Herder Verlag) 2012 (167 S.,19,95 €).

Das Reizvolle an diesem Buch ist nicht (nur), dass es noch vor der Diskussion entstanden ist, die durch die Entscheidung des Kölner Oberlandesgerichts entfacht worden ist und daher jenseits der aktuell hoch emotional geführten Debatten steht, sondern dass es eine rabbinische Abschlussarbeit des Masterstudiums (Jüdische Studien Potsdam) einer mittlerweile ordinierten Rabbinerin, Urologin (!) und Mohelet („rituelle Beschneiderin“) ist, die als Oberärztin am Bamberger Klinikum sowie als Rabbinerin der Israelitischen Kultusgemeinde in Bamberg arbeitet. Antje Yael Deusel gibt in kompetenter Weise Einsicht in die medizinische, rechtliche wie theologische Sachlage von der Antike bis heute – jenseits der aufgeregten und mitunter höchst merkwürdig geführten aktuellen Diskussion. Lesenswert!


Fornet-Ponse, Thomas, Ökumene in drei Dimensionen. Jüdische Anstöße für die innerchristliche Ökumene (Jerusalemer Theologisches Forum 19),

Münster (Aschendorff) 2011 (516 S., 52,00 €).

Ausgehend von der Neubestimmung des Verhältnisses der christlichen Kirchen zum Judentum fragt Thomas Fornet-Ponse in dieser als Dissertation an der Salzburger Universität im Fach Fundamentaltheologie angenommenen Studie nach dem Beitrag des Judentums und des jüdisch-christlichen Gesprächs für die innerchristliche Ökumene. In den innerchristlichen ökumenischen Diskussionen und Kontroversen stehe die Frage nach der konfessionellen Identität und dem Umgang mit den sich hieraus ergebenden Differenzen immer wieder im Zentrum – und immer wieder werde die Bedeutung des Judentums für die jeweilige Identität ausgeblendet. Dabei ergibt sich die Bedeutung des Judentums nicht nur aus der Angewiesenheit des Christentums auf das Judentum, sondern auch aus dem derzeitigen Diskussionsstand der interkulturellen Philosophie, den Fornet-Ponse im ersten Teil referiert

In einem weiteren Kapitel stellt Fornet-Ponse die kirchentrennenden Differenzen mit Blick auf die römisch-katholische, die orthodoxen und orientalischen Kirchen sowie die Kirchen der Reformation dar. Weil sich dabei die Frage nach Autorität, zugespitzt im Petrusamt, als eine der zentralen erweist, beleuchtet er in einem weiteren Kapitel die Frage nach Autorität im Judentum gerade mit Blick auf das Amt des Rabbiners und des Sanhedrin und bringt sodann die unterschiedlichen christlichen und jüdischen Positionen in ein Gespräch.

In einem weiteren Kapitel stellt Fornet-Ponse die kirchentrennenden Differenzen mit Blick auf die römisch-katholische, die orthodoxen und orientalischen

Kirchen sowie die Kirchen der Reformation dar. Weil sich dabei die Frage nach Autorität, zugespitzt im Petrusamt, als eine der zentralen erweist,

beleuchtet er in einem weiteren Kapitel die Frage nach Autorität im Judentum gerade mit Blick auf das Amt des Rabbiners und des Sanhedrin und bringt

sodann die unterschiedlichen christlichen und jüdischen Positionen in ein Gespräch.

Als Früchte für die christlichen Kirchen stellt Fornet-Ponse das „im Judentum vorherrschende epistemische Autoritätsverständnis“ heraus, das „eng mit der Wertschätzung des Diskurses und der Kontroverse verbunden ist und wichtige Akzentuierungen im Offenbarungs- und Wahrheitsverständnis vornimmt, die christlicherseits positiv rezipiert werden können“ (449) ….oder: könntenangesichts der zum Teil besorgniserregenden, neu zunehmenden Abgrenzungsprozesse zur Stabilisierung der eigenen Identität sowohl innerhalb der christlichen Kirchen als auch gegenüber dem Judentum und auch angesichts der massiven antijüdischen und antisemitischen Positionen gerade in den Kirchen des Ostens.


Witte, Markus / Pilger, Tanja (Hrsg.), Mazel Tov. Interdisziplinäre Beiträge zum Verhältnis Christentum und Judentum. Festschrift anlässlich des 50.

Geburtstages des Instituts Kirche und Judentum (Studien zu Kirche und Israel. Neue Folge, Bd. 1), Leipzig (Evangelische Verlagsanstalt) 2012 (581 S., 42,00

€).

Seit über 50 Jahren steht das Institut Kirche und Judentum für den Austausch von Christentum und Judentum, das 1960 in West-Berlin gegründet wurde. Seinen 50. Geburtstag feiert das Institut mit dieser Festschrift mit einem Sammelband von Aufsätzen und Predigten, die „die Vielfalt der Bemühungen um einen wissenschaftlich fundierten und kritisch reflektierten christlich-jüdischen Dialog“ (S. 5) mit insgesamt achtundzwanzig bibelwissenschaftlichen, historischen, systematischen, religionsphilosophischen, kunstgeschichtlichen und homiletischen Beiträgen dokumentieren. So spannt der Band einen weiten Bogen von der Frage von Nächsten-, Fremden- und Feindesliebe (M. Köckert), von Pietismus und Judentum (J. Wallmann) und jüdischer religiöser Philosophie im 19. Jh. (Yehoyada Amir) bis hin zur Frage Adressing two Audiences at once (Jonathan Magonet). Dem Institut für die 50 Jahre und auch für diesen Band: Mazel Tov!

 

Leuenberger, Martin, Gott in Bewegung. Religions- und theologiegeschichtliche Beiträge zu Gottesvorstellungen im alten Israel (Forschungen zum

Alten Testament 76), Tübingen (Mohr Siebeck) 2011 (379 S., 99,00 €).

Politische, soziale und kulturelle Umbrüche bedingen und provozieren theologische Veränderungen und Wandlungen im Gotteskonzept des alten Israel. Dies

lässt sich in der hebräischen Bibel ebenso wie in außerbiblischen Zeugnissen aufzeigen: „Dass Jhwh es mit Israel, mit den (…) Menschen und in einem

weiten Sinn mit der Welt insgesamt bleibend zu tun hat und haben will, stellt – mit unterschiedlichen Akzentuierungen – die grundlegende theologische

Einsicht der hebräischen Bibel und der religiösen Texte der althebräischen Epigraphik dar: Jhwh befindet sich unhintergehbar in beziehungsreicher

Bewegung“ (1).

Daher durchschreitet Martin Leuenberger in vier großen thematischen Querschnitten die Religionsgeschichte des Alten Israels: 1. die Ursprünge von

JHWH als Wettergott sowie seine Solarisierung, 2. die Kompetenzerweiterung von JHWH um den Bereich Leben und Tod, 3. die Auseinandersetzungen

um JHWH als Herrn der Geschichte in prophetischer und apokalyptischer Literatur sowie 4. die Weiterentwicklung des Gottesgedankens mit Blick auf die

Vorstellung von der personifizierten Weisheit.

Gut verständlich und erfreulich klar geschrieben werden die Leserinnen und Leser auf eine historische Reise mitgenommen, die an diesen exemplarischen Themenfeldern den programmatischen Titel des Studie deutlich werden lassen: JHWH - ein Gott in Bewegung.


Burschel, Peter / Marx, Christoph (Hg.), Reinheit (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Anthropologie e.V. 12), Wien/Köln/Weimar (Böhlau

Verlag) 2011 (492 S., 59,00 €).

Ausgehend von einem Brief Osama bin-Ladens aus dem Jahr 2002 an Amerika, in dem er die Welt in ‚gut’ und ‚böse’ einordnet und diese Einteilung als mit ‚rein’ und ‚unrein’ einhergehend darstellt, thematisiert dieser Band das Gedankenkonstrukt ‚Reinheit’ aus anthropologisch-historischer Perspektive. Gegliedert in die Themenfelder „Körper“, „Gender“, „Status“ und „Gemeinschaft“ erkunden die achtzehn instruktiven Beiträge unterschiedliche aktuelle wie historische Reinheitskon-strukte. Auffallend ist dabei, dass das Judentum nicht vorkommt – sieht man einmal von dem Beitrag von Thomas Staubli ab, der unter dem Stichwort „Antikanaanismus“ das Thema Reinheit unter dem Gedanken einer gegen die indigenen Völker Kanaans gerichteten Idee darstellt.

 

The Pentateuch. International Perspectives on Current Research, hg. v. Dozeman, Thomas B./ Schmid, Konrad / Schwartz Baruch J. (Forschungen zum Alten Testament 78, Tübingen (Mohr Siebeck)) 2011 (578 S., 129,00 €).

Das Feld der Pentateuchforschung gehört zu jenen in der alttestamentlichen Exegese, die wie kein anderes in den vergangenen Jahrzehnten erodiert ist – alte, für unumstößlich gehaltene redaktionsgeschichtliche Forschungsergebnisse zerbrösel(te)n geradezu unter den Händen. Daher widmete sich die 2010 in Zürich gehaltene Tagung dem Thema „Pentateuch“ und versammelte hierzu die weltweit führenden Wissenschaftler, um deren unterschiedliche Perspektive und Fragestellungen in ein Gespräch zu bringen und besser zu vernetzen. Dabei geht es den in diesem Band publizierten Beiträgen darum, die expliziten wie impliziten Annahmen, die den alten Modellen wie den zeitgenössischen Anfragen zugrunde liegen, methodologisch zu reflektieren und neue Konzepte an konkreten Texten zu erproben. Dabei kommen die angenommenen Quellen genauso zur Sprache wie die innerbiblische Rezeption unterschiedlicher Texte des Pentateuchs.

 

Hengel, Martin, Die Zeloten. Untersuchungen zur jüdischen Freiheitsbewegung in der Zeit von Herodes I. bis 70 n. Chr., hg. von Roland Deines / Claus-Jürgen Thornton (wunt I 283), Tübingen (Mohr Siebeck) 2011 (573 S., 114,00 €).

Der vorliegende Band ist eine Neuauflage von Martin Hengels 1961 erstmals erschienenen und zum Klassiker avancierten Abhandlung über die Zeloten als vierter ‚Partei’ neben den Pharisäern, Sadduzäern und Essenern. In seiner Untersuchung hat Hengel einen Perspektivenwechsel vorgeschlagen, indem er aufzeigte, dass der Jüdische Aufstand gegen Rom weniger durch soziale Unruhen als vielmehr durch genuin theologische Motive bedingt war, die die Zeloten in ein konkretes theo-politisches und messianisches Programm umformten. Weil der letzte Band von 1976 schon länger vergriffen war, ist nun eine Neuauflage erschienen, ergänzt um ein Nachwort von Roland Deines zur Wirkungsgeschichte und der aktuellen Forschungslage.

 

Köhlmoos, Melanie, Altes Testament, Tübingen (Narr Francke Attempto Verlag) 2011 (334 S., 19,90 €).

Wer sich kurz, prägnant und zuverlässig über Grundfragen des Alten Testaments informieren möchte, der ist bei diesem Band richtig: Melanie Köhlmoos, in Frankfurt a.M. lehrende Bibelwissenschaftlerin, stellt in klarer Sprache den Stand alttestamentlicher Forschung dar. Im ersten Kapitel fragt Köhlmoos zunächst nach der Kanon-geschichte und damit nach dem Alten Testament als Heiliger Schrift, sodann widmet sich das zweite Kapitel der Auslegung biblischer Texte, deren einzelne Schritte beschrieben werden. Das dritte Kapitel gibt einen kurzen Überblick über die Geschichte Israels, das vierte stellt eine literarhistorische Vertiefung dar, in der die Entstehung der alttestamentlichen Texte historisch verortet werden. Im fünften und abschließenden Kapitel werden thematische Querschnitte gelegt (Schöpfung, Erzeltern, Gesetz, Prophetie, Psalmen, Weisheit). Literaturhinweise sowie Fragen und Arbeitsanweisungen zu jedem Abschnitt und vertiefende Informationskästen machen diesen Band zu einem guten Arbeitsbuch für Schüler, Studierende und Interessierte.

 

Witte, Markus (Hrsg.), Hiobs Gestalten. Interdisziplinäre Studien zum Bild Hiobs in Judentum und Christentum (Studien zu Kirche und Israel. Neue

Folge,Bd. 2), Leipzig (Evangelische Verlagsanstalt) 2012 (157 S., 24,00 €).

Zurückgehend auf eine Tagung aus dem Jahre 2010 zu Hiob des Instituts Kirche und Judentum versammelt dieser Band sieben Beiträge zur Hiobgestalt – sowohl zum biblischen Buch selbst als auch zu dessen Rezeption in jüdischer Literatur (Hiob-targum), in der Kunst (Kathedrale von Chartres), moderner Gegenwartsliteratur etc. Mit den Beiträgen wird die im Hiobbuch begonnene und bis heute aktuelle Suche nach dem Sinn im Leiden und der Gerechtigkeit Gottes in unterschiedlichen Feldern und Ausdrucksformen menschlicher Existenz abgeschritten und ausgelotet.

 

Frankemölle, Hubert, Vater unser – Awinu. Das Gebet der Juden und Christen, Leipzig (Evangelische Verlagsanstalt) 2012 (233 S., 24,90 €).

Dass das „Vater unser“ das christliche Gebet ist, dürfte kaum überraschen; dass und inwiefern es auch ein zutiefst jüdisches Gebet ist – dieser Frage hat sich Hubert Frankemölle in seinem neuen Band „Vater unser - Awinu“ gewidmet. Dabei reflektiert Frankemölle zunächst den Umstand christlichen Betens im Angesicht Israels, um dann auf die Gottesbilder zu sprechen zu kommen, die Jesus in seiner Umwelt vorgefunden haben dürfte. Das dritte Kapitel stellt dann das Vater-Unser selbst in das Zentrum historisch-kritischer Auslegungen, wobei Frankemölle hier jeweils den literarischen Kontext in den jeweiligen Evangelien darstellt, um dann die Bitten einzeln durchzugehen.

 

Ebach, Jürgen, SchriftStücke. Biblische Miniaturen, Gütersloh (Gütersloher Verlagshaus) 2011 (287 S., 19,99 €).

Die in diesem Band versammelten Passagen verbindet, dass sie sich meist unmittelbar, zuweilen aber auch etwas umwegig auf biblische Worte, Texte und Motive beziehen. Sie tun dies in ganz unterschiedlicher Weise: Sie interpretieren und kommentieren, sie verweisen auf Kommentierungen und dabei immer wieder auf rabbinische und weitere jüdische Interpretationen und Rezeptionen, sie notieren Gelesene und by the way Aufgelesenes (S. 11). Diese zutreffende Selbstcharakterisierung leitet den aus 263 theologischen Miniaturen bestehenden Band ein, der auf seine eigene Weise die Relevanz und Brisanz biblischer Texte und Motive aufzeigt und der zugleich durchaus lustvoll zu lesen ist.

 

Horn, Eva / Hagemeister, Michael (Hg.), Die Fiktion von der jüdischen Weltverschwörung. Zu Text und Kontext der „Protokolle der Weisen von Zion“, Göttingen (Wallstein Verlag) 2012 (254 S., 29,90 €).

Obwohl die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“, ein Dokument einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung, schon in den 1920er Jahren als Fälschung und Plagiat entlarvt worden sind, ist ihre Popularität und ihre Rezeption bis heute ungebrochen: Dies gilt von literarischer Verarbeitung z.B. durch Umberto Ecos „Der Friedhof von Prag“ bis hin zu der im arabischen Raum sehr populären ägyptischen, klar antisemitisch ausgerichteten Fernsehserie „Reiter ohne Pferd“, in der die Thesen der sog. „Protokolle der Weisen von Zion“ als bare Münze verkauft werden. Zugleich aber gilt in fast erschreckender struktureller Parallelität zur Bibel auch für diesen Text: Es gibt fast niemanden, der die sog. „Protokolle der Weisen von Zion“ gelesen hat; die Allermeisten kennen ihn nur vom Hörensagen, was die Plausibilität seiner Thesen nicht mindert, sondern kurioserweise verstärkt. Tatsächlich muss der Text – aber das weiß die Rezensentin auch nur vom Hörensagen – höchst langweilig und von so minderer Qualität sein, dass zur Textgeschichte eine intensive Bearbeitung des Textes mit langen Überschriften, thesenhaft zusammenfassenden Zwischenüberschriften, Glossen und Anmerkungen gehört, die den Charakter des Textes selbst wieder grundlegend verändert haben.

Der vorliegende Band beschäftigt sich in elf Artikeln intensiv mit den viel diskutierten Problemen der „Protokolle“: der offenen Autorenschaft, der Geschichte des Textes in den Archiven, exemplarische Textanalyse, der in ihr verarbeiteten politischen Phantasien sowie ihrer Qualität als Plagiat, Fälschung und Fiktion. Nach der Lektüre dieser Beiträge wirkt es als merkwürdig nach, wie viele Probleme und Fragen bezüglich der „Protokolle“ bis heute noch offen und ungelöst sind.

 

Schellenberg, Annette, Der Mensch, das Bild Gottes? Zum Gedenken einer Sonderstellung des Menschen im Alten Testament und in weiteren altorientalischen Quellen (Abhandlungen zur Theologie des Alten und Neuen Testaments 101), Zürich (Theologischer Verlag Zürich) 2011 (474 S., 64,80 €).

Diese Monographie ist die 2011 an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich angenommenen Habilitationsschrift, in der sich Annette Schellenberg mit dem Gedanken der Sonderstellung des Menschen beschäftigt, die sich gerade in der Rede vom Menschen als Bild Gottes spiegele. Zur Frage der Sonderstellung des Menschen analysiert Annette Schellenberg neben den priesterschriftlichen Texten Gen 1 und 9 auch Gen 2-3 und Psalm 8 und konfrontiert diesen Befund mit entsprechenden altorientalischen Texten sowie solchen biblischen Texten, die eine Sonderstellung des Menschen leugnen (z.B. Koh 3,18-22).

 

Schmid, Konrad, Jesaja, Band I: Jes 1-23 (Zürcher Bibelkommentare AT 19,1), Zürich (Theologischer Verlag Zürich) 2011 (164 S., 35,00 €).

Einen Kommentar zu schreiben, ist ein schwieriges Unterfangen – allzumal dann, wenn es sich um einen Text wie Jesaja 1-23 handelt, der theologie- wie rezeptionsgeschichtlich von allerhöch-ster Bedeutung ist. Dass Konrad Schmid daraus kein unüberschaubares Opus, sondern eine kurze, zugleich intensive und gut lesbare Kommentierung präsentiert, ist mehr als erwähnenswert. Nach einer konzisen thematischen Einführung u.a. mit vier thematischen Querschnitten (Gericht und Heil, Zion, das Königtum Gottes, Messias) geht er den Text durch und kommentiert diesen. Dabei weiß er sich der historischen ebenso wie der theologischen Verortung der Jesajaka-pitel verpflichtet. Bezugstext der Auslegung ist dabei die Neue Zürcher Bibel von 2007.

 

Schäfer, Peter, Die Ursprünge der jüdischen Mystik. Aus dem Amerikanischen von Claus-Jürgen Thornton, Berlin (Verlag der Weltreligionen) 2011 (671 S., 38,00 €).

Die frühmittelalterliche Merkava-Mystik (Thronwagenmystik) gilt als erste voll entwickelte jüdische Mystik, die weit reichende Auswirkungen sowohl auf das klassische rabbinische Judentum als auch die im 12. Jh. entstehende Kabbala hatte. Peter Schäfer zeichnet in instruktiver Weise die Vorgeschichte dieser mystischen Tradition von den Visionen des biblischen Ezechielbuches über die Henoch-literatur, Qumran und Philo bis hin zu den Rabbinen nach.

 

Mühling, Anke, „Blickt auf Abraham, euren Vater“. Abraham als Identifikationsfigur des Judentums in der Zeit des Exils und des Zeiten Tempels (Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments 236), Göttingen / Oakville, usa (Van-denhoeck & Ruprecht) 2011 (396 S., 89,95 €).

Dieser Band ist die überarbeitete Fassung einer in Heidelberg von Jan Christian Gertz betreuten Dissertation, die der Figur des Abraham gewidmet ist. Im ersten Kapitel werden in einem forschungsgeschichtlichen Überblick ver-schiedene forschungsgeschichtliche Ansätze zu den Erzelternerzählungen geboten und die Tendenzen gegenwärtiger Diskussion mit Blick auf die Abrahamfigur gebündelt. Das zweite Kapitel trägt dem merkwürdigen Umstand Rechnung, dass die in der Genesis so präsente und raumgreifende Abrahamfigur in den biblischen Schriften außerhalb der Genesis nur sehr wenig rezipiert wird. In Kapitel drei wird Verarbeitung der Abraham-figur in den Schriften der lxx, in Kapitel vier in den jüdischen Schriften außerhalb der LXX nachgegangen, um die entsprechenden Stellen im Einzelnen aufzuführen und zu analysieren. In Kapitel fünf werden die Analysen in zwölf „Abraham als …“-Typologien systematisiert, um aufzuzeigen, inwiefern Abraham zu einer Identifikationsfigur für das antike Judentum geworden ist.

 

Weippert, Manfred, Historisches Textbuch zum Alten Testament (Grundrisse zum Alten Testament 10), Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2010 (654 S., 79,95 €).

Das von Manfred Weippert herausgegebene Textbuch ordnet sich ein in die Reihe großer Textbücher, die einem breiteren, wissenschaftlich interessierten Publikum die Schriftdokumente aus der sog. ‚Umwelt’ des Alten Testaments zugänglich machen will. Dieser verdienstvollen Arbeit hat sich Manfrede Weippert gewidmet und ein ca. 650 Seiten umfassendes Textbuch herausgegeben, in dem er Textdokumente aus Kanaan des 2. Jahrtausends bis in die persisch-achämenidische Zeit im 4. Jh. v. Chr. zusammengestellt hat – eine jede versehen mit Quellenangaben, weiterführenden Literaturhinweisen und einer knappen Einführung. Damit ist der vorliegende Band ein unverzichtbares Arbeitsmittel für Studierende und Wissenschaftler.

 

Fehige, Yiftach J.H., Das Offenbarungsparadox. Zur Dialogfähigkeit von Juden und Christen (Studien zu Judentum und Christentum), Paderborn (Verlag Ferdinand Schöningh) 2012 (169 S., 19,90 €).

Die Rede vom Dialog zwischen Judentum und Christentum ist in aller Mund. Sie klingt gut, ist politisch korrekt und zugleich eine Behauptung: Findet aber wirklich eine gehaltvolle Begegnung statt, die für jüdische und christliche Identität zentral ist, oder ist die Rede vom Dialog nichts als leeres Gerede?

Mit diesen Überlegungen setzt der vorliegende Band ein und fragt bei der Offenbarungstheologie spezifisch nach. Zunächst setzt sich Fehige mit den theologischen Maßstäben, die einen Dialog kennzeichnen, auseinander. Sodann analysiert er die katholischen lehramtlichen Aussagen von Nostra aetate und Dei Verbum in Bezug auf den Offenbarungsbegriff, den er in beiden Dokumenten als zwiespältig bzw. paradox bezeichnet: Beide Dokumente böten keine Grundlagen für einen angemessenen Dialog mit dem Judentum, wiewohl sie diesen aber auch nicht ausschließen würden. Erst die Rezeption von Nostra aetate schaffe mehr Klarheit, so dass die normativen kirchlichen Dokumente von einer theologischen Verunsicherung gegenüber dem Judentum geprägt seien. Diese theologische Verunsicherung führt Fehige im Rahmen der Position von Richard Swinburne mit dem Ziel weiter, um die durch Dei Verbum sich ergebene Offenbarungsparadoxie zu lösen. Dabei sucht Fehige zu zeigen, dass die offenbarungstheologische Superiorität des Christentums, die die Theologie von Swinburne kennzeichnet, nicht notwendig sei, um das Offenbarungsparadox zu lösen und eine Konsistenz in Bezug auf den Offenbarungsbegriff herzustellen. Ob das als gelungen bezeichnet werden kann, sei dem geneigten Leser dieser durchaus interessanten Studie überlassen. Dass sich in der Dialogfähigkeit gegenüber dem Judentum die Dialogfähigkeit des Christentums gegenüber Gott erweise, ist ein wertvoller Gedanke und mehr als nur der Ausgangspunkt der Überlegungen von Yiftach Fehige in Bezug auf den Offenbarungsbegriff.

 

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