Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Yves Nordmann

Die Rolle der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin

 

  Dr. med. Yves Nordmann ist Medizinethiker und praktiziert als Kinder- und Jugendarzt in der Schweiz.

 

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (dakj), der Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften und Fachverbände Deutschlands, hat in ihren offiziellen Positionspapieren wiederholt Unwahrheiten eingesetzt, um die Gesellschaft von der Notwendigkeit eines Verbots der rituellen Knaben-Beschneidung bei Minderjährigen zu überzeugen. Höchste Zeit für eine Klarstellung und politische Konsequenzen.

 

Hintergrund

In Deutschland ist nach dem Entscheid eines Kölner Landgerichts eine heftige Debatte über die Zulässigkeit ritueller Beschneidungen bei minderjährigen Knaben entbrannt, welche mittlerweile auch die Nachbarländer erreicht hat. Die Grundlage dafür, die rituelle Beschneidung eines minderjährigen Jungen als Körperverletzung zu werten, liegt in der Aussage, eine solche habe keine medizinische Indikation, und zwar weder als anerkannte prophylaktische noch als therapeutische Maßnahme. Somit kommt Vertretern der medizinischen Wissenschaft in der Debatte eine ganz entscheidende Rolle zu. In Deutschland hat sich die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (dakj) in der Öffentlichkeit als federführend hervorgetan. Sie lehnt die rituelle Beschneidung minderjähriger Knaben kategorisch ab, da diese keinerlei medizinischen Wert habe. Ihr Vorsitzender Dr. Wolfram Hartmann ging gar soweit, den Entscheid des Deutschen Ethikrats, rituelle Beschneidungen bei minderjährigen Knaben mit Auflagen weiter zuzulassen, als „skandalös“ zu bezeichnen. Dabei liegt der Skandal ganz woanders.


Die wissenschaftlichen Fakten

Am 27. August 2012 hat die American Academy of Pediatrics, der über 60,000 Kinderärzte/innen als Mitglieder angehören, nach mehrjährigen Forschungsarbeiten und unter Berücksichtigung von über 1,000 Studien, welche von 1995 bis 2010 zum Thema erschienen sind, neue Empfehlungen zur Beschneidung von neugeborenen Knaben publiziert. Dort heisst es wörtlich:

Evaluation of current evidence indicates that the health benefits of newborn male circumcision outweigh the risks; furthermore, the benefits of newborn male circumcision justify access to this procedure for families who choose it.

 

Die Krankenversicherungen werden dazu aufgefordert, die Kosten für den Eingriff zu übernehmen. Diese Erklärung wurde vom American College of Obstetricians and Gynecologists mit unterstützt. Eine Woche zuvor wurde in den „Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine“ eine großangelegte Kosten/Nutzen Analyse publiziert. Die Forscher zogen dabei die Schlussfolgerung, dass bei einem Rückgang der frühkindlichen Beschneidungsrate in den usa von derzeit rund 57% auf 10% - dem europäischen Niveau, wo Krankenversicherungen die Kostenübernahme des Eingriffs ablehnen -, unter anderem folgende Konsequenzen drohen würden:

 

211% mehr Harnwegsinfekte bei Knaben in den ersten Lebensjahren

12% mehr hiv Infektionsfälle bei Männern

29% mehr hpv Infektionsfälle bei Männern

18% mehr high-risk hpv Infektionsfälle bei Frauen

 

Ein derartiger Rückgang der Beschneidungsrate würde zudem eine deutliche Zunahme von Zervix- und Peniskarzinomen zur Folge haben und über 10 Jahre berechnet das amerikanische Gesundheitswesen mit über vier Milliarden Dollar belasten. Warum also lehnt die dakj Beschneidungen bei minderjährigen Knaben so vehement ab?

 

 

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