Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Uwe F. W. Bauer

„Ort“ als Metapher für Gott


      Uwe F. W. Bauer studierte Ev. Theologie in Berlin, Amsterdam, Bonn und Wuppertal. Von 1984-90 arbeitete er als Vikar und Pastor in der EKiR. Nach seiner Promotion im AT an der Theologischen Fakultät der Universität Amsterdam war er wiss. Assistent in Köln (1992-98) 1997 wurde er im AT habilitiert. Seit 2002 ist er Pfarrer einer Reformierten Kirchgemeinde in der Schweiz.


Biblisch wird von Gott oft in Metaphern gesprochen, weil Gott die menschlichen Vorstellungsmöglichkeiten transzendiert. Es gibt häufige Metaphern wie Hirt oder Fels und seltene wie Arzt (Ex 15,26) oder Schatten (Ps 121,5). Eine seltene, aber in der jüdischen Tradition wirkungsgeschichtlich relevante Metapher für Gott findet sich im Midrasch, wo Gott als Ort verstanden ist. In Ex 33,21 weist Gott Mose einen Ort an, wo er weit genug entfernt ist, um trotz des vorbeiziehenden Gesichts Gottes am Leben zu bleiben: „Sieh, da ist ein Ort bei mir (הִנֵּה מָקוֹם אִתִּי), stelle dich auf den Felsen.“ Rabbi Jose ben Chalaphta gibt nach TanB folgende Interpretation: „’Siehe, ich bin an diesem Ort’, steht hier nicht geschrieben, sondern: ‚Da ist ein Ort bei mir’, mein Ort ist mir ein Anhängsel, aber ich bin kein Anhängsel meines Orts.“[i] Vielleicht bekannter ist die generalisierendere Version in BerR: „Wir würden nicht wissen, ob Gott der Ort seiner Welt, oder ob seine Welt sein Ort ist. Da es aber heißt: ‚Siehe der Ort ist bei mir’, so geht daraus hervor, dass Gott der Ort der Welt, aber nicht die Welt sein Ort ist.“[ii] Die Antwort, die der Midrasch gibt, ist eindeutig: Gott ist der Ort der Welt.[iii] Wörtlich genommen könnte man diese Formulierung pantheistisch verstehen, das ist aber nicht gemeint. Vielmehr geht es darum, ob Gott intramundan oder extramundan zu denken ist.

 

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[i] 1TanB zu Ex 33,21

[ii] BerR zu 28,11; ähnlich R. Jose bar Chanina in ExR zu 33,21; zur rabbinischen Diskussion s. F.-W. Marquardt, Was dürfen wir hoffen, wenn wir hoffen dürften? Eine Eschatologie, Bd. 3, München 1996, 427ff.

[iii] F.-W. Marquardt entwickelt aus der Metapher מָקוֹם heraus den letzten Band seiner Eschatologie als Utopie und spricht in einer weiteren Metapher, die ich wegen ihrer dialektischen Prägnanz hier erwähne, von Gott als dem utopischen Raum (F.- W. Marquardt, Eia, wärn wir da - eine theologische Utopie, Gütersloh 1997, 17).

 

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