Kirche und Israel - Neukirchener Theologische Zeitschrift

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Bücherschau: Barbara Schmitz


Crüsemann, Frank, Das Alte Testament als Wahrheitsraum des Neuen. Die neue Sicht der christlichen Bibel, Gütersloh (Gütersloher Verlagshaus) 2011 (384 S., 29,95 €). 

„Ich wollte mir als christlicher Theologe endlich selbst darüber klar werden, warum ich das Alte Testament so lese, wie ich es lese, und ob es legitim ist, das zu tun“ – Frank Crüsemann, dem über 20 Jahre an der Kirchlichen Hochschule Bethel lehrenden und noch viel länger mit der Hebräischen Bibel beschäftigten Alttestamentler, geht es zunächst um eine Selbstvergewisserung; aber über den persönlichen Horizont hinaus geht es ihm um einen Lernprozess in Kirche und Theologie, in dem neu zu begreifen sei, dass es „nichts gibt, was grundsätzlich über den Raum hinausführt, der in der Schrift und durch die Schrift, also durch das Alte Testament, eröffnet wird“ (11). Crüsemann beschreibt sein Vorhaben so: „Das Verhältnis von Altem und Neuem Testament und damit auch von Christentum und Judentum soll nicht aus der Tradition oder einer theologischen Theorie, sondern soweit wie möglich allein aus der Schrift selbst bestimmt werden“ (19). Hierzu muss die Art und Weise neu in den Blick genommen werden, wie in den Schriften, die später „Neues Testament“ wurden, mit der Schrift, also dem, was wir heute christlicherseits „Altes Testament“ nennen, umge-gangen wird. Dazu nimmt Crüsemann in seinem in vier große Teile ge-gliederten Buch nach der Einführung im ersten Teil die bisherigen Modelle und Aporien im zweiten Teil in den Blick. Im dritten Teil geht Crüsemann der Frage nach, wie die jüdische Bibel als Schrift im Neuen Testament rezipiert wird und welche Verhältnis-bestimmung sich daraus ergibt. Im vierten und letzten Teil des Buches steht die Frage der Messianität Jesu im Mittelpunkt. Aus der Lektüre der neutestamentlichen Texte im Kontext des Alten Testaments durch einen Alt-testamentler entwickelt Crüsemann eine Hermeneutik für den Umgang mit dem Neuen Testament, der weit-reichende Folgen hat – in Bezug auf den Rang und die Bedeutung des sog. Alten Testaments in der christlichen Theologie, auf die Verhältnisbestim-mung von Altem und Neuem Testa-ment sowie in Bezug auf eine – im Vergleich zur christlichen Tradition – noch junge wertschätzende Haltung gegenüber dem Judentum durch christ-liche Theologie, Kirche und Praxis, die nicht neu ist, sondern die Haltung der Schriften ist, die später als „Neues Testament“ bezeichnet werden. „Theologisch ist dieses Verhältnis nur biblisch und das heißt, aus den inner-biblischen Beziehungen neu zu gewinnen. Das muss dazu führen, das Alte Testament wieder in die Rolle einzusetzen, die es im Neuen Testament hat, also als die Schrift, genauer jetzt: als die Schrift der Schrift“ (341).


Schäfer, Peter, Weibliche Gottes-bilder im Judentum und Christentum. Aus dem Englischen übersetzt von C. Wiese und Claus-Jürgen Thornton, Frankfurt/Leipzig (Verlag der Welt-religionen) 2008 (387 S., 22,80 €).

Angesichts des viel gepriesenen oder der auch in jüngster Zeit scharf an-gegriffenen Monotheismus verfolgt Schäfer, wie sich innerhalb des sehr klaren monotheistischen Rahmens im Judentum Prozesse der Differen-zierung im Gottesbild entwickelt haben – gerade im Blick auf weibliche Gotteskonzepte. Von der Weisheits-theologie in den Schriften der Heb-räischen Bibel, über die Sophia-Theo-logie bei Philo von Alexandrien ver-folgt Schäfer diese Linie über das gnostische und rabbinische Denken sowie die jüdische Philosophie im Mittelalter bis zum Traktat Bahir (12. Jh.), der ersten Schrift der Kabbala, die Gott als in zehn sefirot/Potenzen differenziert begreift, von denen eine sogar als weiblich verstanden wurde. Diese Linie begreift Schäfer als eine Pendelbewegung zwischen Polytheismus und wechselnden Graden des Monotheismus: „Man sollte den ‚Monotheismus’ als einen Pol eines breiteren Spektrums verstehen, dessen anderer Pol durch den ‚Polytheismus’ markiert wird. Zwischen diesen beiden Polen gibt es eine Vielzahl möglicher Kombinationen und Konfigurationen … – und zwar nicht in einer aufsteigenden Linie vom (primitiven) Polytheismus zu (immer höheren) Formen des Monotheismus. Ein solches dynamisches Modell bietet den Vorteil, dass es auf Werturteile verzichten kann“ (15). In Auseinandersetzung mit Gershom Scholem vertritt Schäfer die interessante These, dass die Spekulationen über die Weiblichkeit Gottes im Judentum nicht in der Gnosis wurzeln, sondern sich zeitgleich zu einer geradezu explodierenden Marienfröm-migkeit entwickelt haben. Darin sieht Schäfer mehr als nur eine zeitgleiche Zufälligkeit, sondern einen sich gegenseitig bedingenden und beeinflussen-den Prozess: „Ich stelle mir ein dynamisches Modell von ‚Einfluss’ vor, dem zufolge beide Partner in einem Prozeß wechselseitiger kreativer Aneignung stehen. Ein solches Modell weist den Mythos des ‚Vorrang des Ursprungs’ zurück und lenkt unsere Aufmerksamkeit vielmehr auf den kontinuierlichen Prozeß der Verarbeitung, Umwandlung und Neuschöpfung von Traditionen unter sich stetig wandelnden historischen Umständen“ (29).  

Dies hat Auswirkungen auf die Zu-ordnung von Judentum und Christen-tum, die „die beiden Religionen nicht als statische, voneinander getrennte Größen [betrachtet], sondern als zwei Elemente eines religiösen Diskurses. Es geht ihr auch nicht um den Ursprung dieser Vorstellung in der einen oder anderen Religion, sondern um den Prozeß ihrer Umwandlung in einem gemeinsamen kulturellen Raum, ein Prozeß, der seine Lebendigkeit aus dem wechselseitigen Austausch bezieht“ (29).

Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel, hg. v. Crüsemann, Frank/Hungar, Kristian/ Jansen,Claudia /Kessler, Rainer/Schottroff, Luise, Gütersloh (Gütersloher Verlagshaus) 2009 (775 S., 68,00 €).

Die biblischen Lebenswelten zu erheben und diese zugleich leicht zugänglich zu machen, ist Ziel dieses Wörterbuches. Die gut 200 Artikel von „Abgabe“ über „Gewinn“ und „verfemte Berufe“ bis „Zeuge/Zeugin“ sind zwar alphabetisch geordnet, zugleich aber in sachlichen Gruppen bzw. nach Stichworten zusammengestellt, wobei die einzelnen Einträge jeweils das Alte und das Neue Testament beleuchten. Damit deckt dieses der sozialgeschichtlichen Exegese verpflichtete Wörterbuch das zeitlich breite Spektrum von den Anfängen des Volkes Israel bis in hellenistisch-römische Zeit ab.

Hermeneutisch sieht sich das Wörter-buch nicht nur der Befreiungstheologie und der feministischen Theologie, sondern gerade auch dem veränderten Verhältnis von Juden und Christen ver-pflichtet: „Eine der Folgen der ver-änderten Sichtweise ist der Versuch, in den einzelnen Artikeln des Lexikons die Darstellung des Befundes in den beiden Teilen der christlichen Bibel soweit wie jeweils möglich ineinander zu ver-schränken, um die Kontinuitäten und die gemeinsamen theologischen Tiefen-strukturen sichtbar zu machen – trotz aller im Blick auf historische Umstände, soziale Entwicklungen, kulturelle Milieus, sprachliche Grundlagen etc.“ Unterschiede (XII).

Ein Wörterbuch, das zum navigie-renden Lesen einlädt!


Fischer, Irmtraud/ Puerto, Mercedes Navarro/ Taschl-Erber, Andrea (Hg.), Tora, Stuttgart (Verlag W. Kohlhammer) (Die Bibel und die Frauen. Eine exegetisch-kulturge-schichtliche Enzyklopädie. Hebräische Bibel – Altes Testament 1.1) 2010 (443 S., 36,00 €).

Kulturgeschichtlich-exegetisch ist die auf insgesamt 22 Bände angelegte neue Reihe, deren erster Band zur Tora erschienen ist. Ziel der Reihe ist es, die Rezeptionsgeschichte der Bibel unter dem Blickwinkel genderrelevanter Themen sowie biblische Frauenfiguren zu erkunden – und so der mangelnden Re-zeption der Genderforschung aus roma-nischen Ländern entgegenzuwirken und diese in Europa besser zu vernetzen. Daher werden die Bände in den vier Sprachen Englisch, Italienisch, Deutsch und Spanisch erscheinen. Dabei werden die sozial- und rechtsgeschichtlichen Hintergründe, ebenso archäologisches und ikonographisches Material miteinbe-zogen.


Döhling, Jan-Dirk, Der beweg-liche Gott. Eine Untersuchung des Motivs der Reue Gottes in der Heb-räischen Bibel, Freiburg/Basel/Wien /Barcelona/Rom/New York (Verlag Herder) (Herders Biblische Studien 61) 2009 (575 S., 70,00 €).

Dass Gott etwas reut – und er daraufhin seinen Entschluss und sein Handeln ändert, gehört zu den unerhörten und – von vielen – uner-warteten Zügen des biblischen Gottes. In seiner an der Philipps-Universität Marburg angenommenen Dissertation untersucht Jan-Dirk Döhling das Motiv der Reue Gottes in der Heb-räischen Bibel. Nach einer Analyse des semantischen Befundes untersucht Döhling acht verschiedene Einzeltexte, in denen die Reue Gottes thematisiert wird: der lernende Gott in Gen 6,5-8, die vermittelte Selbstbestimmung in Ex 32,7-14, die changierende (In)-Kon-sequenz Gottes in 1Sam 15, das Motiv der Reue Gottes im hebräischen Jere-miabuch, der umgekehrte Gott in Hos 11,8-9, die Fraglichkeit der Reue in Joel 2,13-14, die Reziprozität der Reue in Am 7,1-6 sowie die Frage von Reue und Treue Gottes in der Jonaerzählung.

Döhling beschreibt auf differen-zierte Weise die Facetten des Motivs der Reue und unternimmt doch den Versuch einer Quersumme: Er begreift „Reue“ als Bewegung und spricht daher – auch im Titel – vom „beweglichen Gott“ in dem Spannungsfeld zwischen Freiheit und Verlässlichkeit: „Gottes Reue vollzieht sich in der Krise seiner Beziehung zur Welt als Bewegung, als Bewegtsein und Bewegtwerden Gottes, in der bzw. in dem sich die Qualität des göttlichen Wollens und Verhaltens auf das Verhalten der belebten Schöpfung, Israels oder der Menschen transfor-miert“ (S. 505-506).


Morgenstern, Hans, Jüdisches Biographisches Lexikon, Wien/Berlin (LIT) 2011 (956 S., 89,90 €).

In zweiter Auflage erscheint das biographische Lexikon, in dem etwa 6000 Kurzbiographien bedeutender Persönlichkeiten jüdischer Herkunft seit 1800 aufgenommen werden. „Jüdischer Herkunft“ bedeutet, dass die Person mind. ein jüdisches Elternteil hat, wobei vermerkt ist, ob es sich um Vater oder Mutter handelt.

Als Auswahlkriterium fungierte die Leitfrage, ob und inwiefern die Ein-zelnen zur allgemeinen Kultur des jeweiligen Landes bzw. zur jüdischen Kultur beigetragen haben: So finden sich in ihm Künstler, Schriftsteller, Rabbiner, Wissenschaftler, Journalis-ten, Sportler. Diese werden mit Lebensdaten und Lebenswerk kurz vorgestellt; zudem bieten die Litera-turangaben zu jeder Person weitere Recherchemöglichkeiten. Am Ende des Bandes befindet sich ein Register, das die vorgestellten Personen nach Berufsgruppen aufschlüsselt. Ein Lexikon, das auch in Zeiten des Inter-nets noch hilfreich ist!


Pangritz, Andreas (Hrsg.), „Biblische Radikalitäten“. Judentum, Sozialismus und Recht in der Theologie Friedrich-Wilhelm Marquardts, Würzburg (Ergon Verlag) (Studien des Bonner Zentrums für Religion und Gesellschaft 6) 2010 (224 S., 35,00 €).

Mit dem 2002 verstorbenen evangelischen Theologen Friedrich-Wilhelm Marquardt beschäftigt sich dieser Tagungsband, der in dreizehn Beiträgen die unterschiedlichsten Aspekte der Theologie Marquardts beleuchtet. Wie kein anderer hat Marquardt auf evangelischer Seite versucht, systematische Theologie angesichts des Judentums heute zu denken und neu zu konzipieren.

Die Tagung, die 2008 an der Universität Bonn stattgefunden hat, geht in einem ersten Block der Prägung und der Rezeption der Theologie von Karl Barth durch Marquardt nach. Sodann werden die Frage von Judentum und Sozialismus und einzelne inhaltliche Aspekte der Dogmatik von Marquardt in den Blick genommen. In einem letzten Abschnitt wird die Rezeption Marquardts im außereuropäischen Kontext, in Nordamerika sowie in Japan bzw. in Ostasien untersucht.


Moll, Sebastian, The Arch-Heretic Marcion (Wissenschaftliche Untersu-chungen zum Neuen Testament 250), Tübingen (Mohr Siebeck) 2010 (181 S., 59,00 €).

Sebastian Moll unternimmt in seiner Dissertation nichts Geringeres als den Versuch, das vor allem durch die Arbeit von Adolf von Harnack geprägte Bild von Marcion zu revidieren: Ausgangspunkt für die theologische Reflexion Marcions sei die Frage nach dem Bösen in der Welt gewesen, die Marcion auf das später so genannte Alte Testament zurückgeführt habe, das von ihm im wörtlichen Sinn inter-pretiert worden sei. Damit unter-scheide sich Marcion von dem zeit-genössischen  Zugriff, der das später so genannte „Alte Testament“ alle-gorisch gedeutet habe und daher keinen Dissens zu den Schriften des späteren „Neuen Testaments“ hat er-kennen können. Marcion hingegen habe ein grundlegend dualistisches Konzept verfolgt und daher den bösen Gott des Alten Testaments für den Zustand der Schöpfung verantwortlich gemacht.

Dies bedeute, so die grundlegende These von Moll (S. 82, 106, 160), dass Marcion das Neue Testament im Licht des Alten und eben nicht, wie oftmals angenommen, das Alte Testament im Licht des Neuen interpretiert habe. Anders formuliert: Der Ausgangspunkt für Molls Marcion sei nicht die paulinische Theologie gewesen, wie Harnack postuliert hatte, sondern das Alte Testament, dem Marcion seine Version der Schrift entgegengestellt habe. Diese habe aus einer revidierten Fassung des Lukasevangeliums als des einzigen ihm aus seiner religiösen Sozialisation in Pontus bekannten Evangeliums sowie aus zehn Paulusbriefen bestanden. Mit seiner Revision des Bildes von Marcion argumentiert Moll zugleich gegen die These von Harnack, der in jenem einen frühen Reformator gesehen habe, sondern profiliert diesen vielmehr als „arch-Heretic“.


Schäfer, Peter, Judenhaß und Judenfurcht. Die Entstehung des Anti-semitismus in der Antike. Aus dem Englischen von Claus-Jürgen Thornton, Berlin (Verlag der Weltreligionen) 2010 (443 S., 26,80 €).

Wann und wo lassen sich die ersten Formen von Hass gegenüber Juden ausmachen? Dieser Frage geht Peter Schäfer in der pagan-antiken Literatur nach, indem er die Wahrnehmung des Jüdischen aus der Außenperspektive untersucht. Dabei fokussiert Schäfer den Blick auf pagane Texte und betrachtet die antijüdischen Polemiken unter drei Perspektiven: Zuerst werden die wichtigsten Themen in den Blick genommen, die sich bis heute in anti-jüdischen Polemiken finden: die Ver-treibung aus Ägypten, die Verehrung des einen Gottes, die Enthaltsamkeit bei Schweinefleisch, der Sabbat und die Beschneidung. Sodann werden zwei historische Schlüsselereignisse, die zu massiven Ausschreitungen gegen Juden geführt haben, analysiert: Elephantine (Ende des 5. Jh.v.u.Z.) und Alexandria (1. Jh. n.u.Z.). Als Drittes werden sodann drei wichtige geographische Konfliktzentren (Ägypten, Syrien-Palästina, Rom) und ihr jeweiliger historisch-sozialer Kontext analysiert.

Aus diesen drei Perspektiven werden Schlüsselursachen und Strukturen antiken Judenhasses deutlich. Durch die vielen Quellentexte, die Schäfer zu Gehör bringt, wird ersichtlich, wie ausgeprägt das Repertoire und die Argumentationsstrukturen antijüdischer Ressentiments schon in der Antike sind, bereits bevor die christliche Judenfeindlichkeit noch hinzukommt. In einer Abschluss-reflexion, in der er die beschriebenen Phänomene mit heutiger Antisemitismus-Forschung vernetzt, prägt Schäfer für den antik-paganen Judenhass den Neologismus „Judeophobia“.

Ourghi, Mariella, Muslimische Positionen zur Berechtigung von Gewalt. Einzelstimmen, Revisionen, Kontroversen, Würzburg (Ergon Verlag) (Bibliotheca Academica, Reihe Orientalistik 16) 2010 (190 S., 32,00 €).

Im Kontext des Teilprojekts 3.2. „Islamische Kontroversen über die Berechtigung von Gewalt“ des Forschungs-verbundsprojekts „Mobilisierung von Religion in Europa“, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, ist dieser Band über muslimische Positionen von Gewalt ent-standen. Nach einem Kapitel über die Definition des jihād in Geschichte und Gegenwart des Islam folgen acht Fallstudien zum jihād. Interessant sind daran die unterschiedlichen Interpretationen der einzelnen Gelehrten, die zu unterschiedlichen Definitionen und Positionen zum jihād führen und – nicht unentscheidend – unterschied-liche politische und militärische Konsequenzen haben: „Die geschilderten Fallbeispiele zur Thematik des militanten jihād und der Selbstmordattentate zeigen, dass die Beweggründe für religiöse Gewalt weniger in religiösen Differenzen allein als vielmehr in einer Verbindung mit anderen, vor allem politischen, sozialen und ökonomischen Interessen zu suchen sind“ (S. 155). Besonders interessant – gerade für den Kontext von „Kirche und Israel“ – ist das achte Kapitel, in dem es um die Position von Yūsuf al-Qaradāwī, dem wohl bekanntesten Rechtsgelehrten der sunnitischen Welt, geht, der die Recht-mäßigkeit von Märtyreroperationen eigentlich verwirft, aber im Fall des israelisch-palästinensischen Konflikts als legitim erachtet, da Palästina zu den „heiligen Dingen der Muslime“ zähle und es keine andere Option gäbe.


Scholem, Gershom, Das David-schild. Geschichte eines Symbols, Berlin (Suhrkamp Verlag) 2010 (76 S., 29,90 €).

Dieser schmale Band ist die deutsche Fassung der hebräischen Neuausgabe von Gershom Scholems Essay „Das Davidschild. Geschichte eines Symbols“ (2008). Zugrunde liegt dieser Neuausgabe eine Fassung, die Scholem selbst im Jahr 1981 überarbeitet hat und die er zwei Mal publiziert hatte: 1948 auf Hebräisch mitten in der Phase der Staatsgründung, in der das Davidschild vom Tod bringenden „Judenstern“ zum stolzen Selbstbewusstsein umcodiert wurde, und 1963 in einer überarbeiteten Fassung auf Deutsch in der Zeitschrift Judaica. Instruktiv ist dieser Essay in zweifacher Hinsicht: zum einen wird die Geschichte des Davidschilds vom unjüdischen zum jüdischen Symbol erläutert, zum anderen ist dieser Essay als ein Dokument kritischer Selbstvergewisserung aus dem Jahr 1948 sowie in seiner zweifachen Überarbeitung aus den Jahren 1963 und 1981 zu lesen.


Neues Testament und hellenis-tisch-jüdische Alltagskultur. Wechselseitige Wahrnehmungen. III. Internationales Symposium zum Corpus Judaeo-Hellenisticum Novi Testamenti 21.-24. Mai 2009, Leipzig, hg. v. Deines, R./Herzer, J./Niebuhr, K.-W., Tübingen (Mohr Siebeck) (WUNT 274) 2011 (493 S., 129,00 €).

Die Fragen nach dem konkreten lebensweltlichen Kontext und der Alltagskultur stehen im Mittelpunkt dieses Bandes, der seinen Fokus auf die Frage der „wechselseitigen Wahr-nehmungen“ von hellenistisch-jüdi-scher Alltagskultur und Neuem Testa-ment legt. Daher ist jedes Referat über ein materiales Zeugnis einem aus neu-testamentlicher Perspektive beigesellt. Die Tagungsbeiträge spannen einen weiten Bogen von Architektur und Archäologie, über Namensgebung und Identitäten bis hin zu Münzen und Epigraphik. Besonders interessant sind die unterschiedlichen Beiträge zur Alltagskultur der jüdischen Diaspora in Kleinasien.


Böttrich, Christfried / Ego, Beate / Eißler, Friedmann,

Abraham in Judentum, Christentum und Islam, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2009 (188 S., 19,95 €).

Jesus und Maria in Judentum, Christentum und Islam, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2009 (205 S., 19,95 €).

Mose in Judentum, Christentum und Islam, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2010 (181 S., 19,95 €).

Adam und Eva in Judentum, Christentum und Islam, Göttingen (Van-denhoeck & Ruprecht) 2011 (199 S., 19,95 €).

Vier von fünf Bänden einer neuen Reihe, die zentrale biblische Gestalten in Judentum (Ego), Christentum (Böttrich) und Islam (Eißler) beleuchtet, sind bereits erschienen; der fünfte Band zu Elia und anderen Propheten steht noch aus. Ausgehend von dem Gedanken, dass gegenseitige Kenntnis voneinander eine wichtige Voraussetzung für die Begegnung ist, setzt diese Reihe bei zentralen Gestalten der Hebräischen Bibel an. Für ein breites Publikum am unbekanntesten und am interessantesten dürften die Rezeptionen der biblischen Figur in den Schriften des antiken Judentums sein, sowohl der jüdischen Literatur aus hellenistisch-römischer Zeit als auch der vorrabbinischen palästinischen sowie der rabbinisch (spät)antiken Literatur.

Die Beiträge zu Christentum und Islam legen ihren Schwerpunkt jeweils auf das Neue Testament bzw. den Koran, weniger auf die sich daran an-schließende christliche wie islamische Tradition. Ähnlich unbekannt, aber mindestes genauso spannend dürfte der Abschnitt über Jesus und Maria in den Schriften des Judentums sein.

Die interreligiös ausgerichtete Reihe bietet einen guten Überblick über die Rezeptionswege zentraler Figuren, auch wenn sie – und dessen sind sich die Autoren bewusst – ein spezifisch christliches Projekt bleibt: Es ist der Blick christlicher Autoren, präsentiert für ein – wahrscheinlich – mehrheitlich christliches Publikum. Und (min-destens) dieses wird diese Reihe mit Gewinn lesen!

Olmer, Heinrich C., „Wer ist Jude?“ Ein Beitrag zur Diskussion über die Zukunftssicherung der jüdischen Gemeinschaft, Würzburg (Ergon Verlag) (Judentum – Christentum – Islam, Interreligiöse Studien 8) 2010 (243 S., 34,00 €).

Die Studie, mit der Heinrich Olmer, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in Bamberg, an der Universität Bamberg 2010 promoviert worden ist, legt den Finger in eine offene Wunde: Bei einer Mischehenrate von 50 Prozent in der Diaspora sowie dem Umstand, dass in einer interkonfessionellen Ehe sich nur 37 Prozent der Kinder im Falle einer jüdischen Mutter und nur 15 Prozent der Kinder im Falle eines jüdischen Vaters als Juden verstehen, stellt nicht nur einen demographischen Sprengsatz dar, sondern ist auch eine Herausforderung, die nach einer Antwort verlangt. Dass die matrilineare Definition – Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat – zwar eine 1900 Jahre alte, normative Tradition im Judentum ist, diese aber aus den spezifischen Bedingungen des 2. Jh. u.Z. entstanden ist und die im Judentum zuvor geltende patrilineare Definition verdrängt hat, zeigt Olmer im ersten Teil der Arbeit auf. Im zweiten Teil nimmt er dann das Ergebnis des ersten Teils, – die Neuerung der matrilinearen Definition durch die Rabbinen der Mischna sei der Existenzsicherung der jüdischen Gemeinschaft geschuldet – um eine neue Antwort für die Existenzsicherung der heutigen jüdischen Gemeinschaft zu fordern. Olmer bietet hierzu einen Lösungsvorschlag: die Gleichsetzung von Patrilinearität und Matrilinearität. „Die Gleichsetzung der Patrilinearität mit der Matrilinearität für die Zugehörig-keit zum Judentum ist biblisch verankert, hermeneutisch möglich und für die Zukunftssicherung der heu-tigen jüdischen Gemeinschaft [zentral], die weit mehr ist als die von der Orthodoxie halachisch verankerte und nur von einer Minderheit gepflegte Orthopraxie“ (S. 214).


Talabardon, Susanne, Unterm Feigenbaum. Rekonstruktionen zu einem jüdisch-christlichen Thema, Würzburg (Ergon Verlag) (Judentum – Christentum – Islam, Interreligiöse Studien 9) 2011 (219 S., 32,00 €).

Susanne Talabardon geht in ihrer interdisziplinär angelegten Studie dem Motiv des Feigenbaums nach, das in der biblischen Tradition grundlegend positiv kodiert ist: Der Feigenbaum ist Symbol heilvoller Herrschaft und des Friedens (1Kön 5,5; Mi 4,4; Sach 3,10). Indem sie seine Rezeption in den Schriften des Judentums und des Christentums verfolgt, spannt sie einen interessanten Bogen von den Schriften des Neuen Testaments und deren Interpretation durch die Kirchenväter, sowie der rabbinischen, auch in der mittelalterlichen Literatur bis in die Frühe Neuzeit auf jüdischer wie christlicher Seite auf. Auf diese Weise entsteht ein „fiktiver“ Dialog von Judentum und Christentum über das Motiv Feigenbaum, in dem nicht nur Gemeinsamkeiten und Differenzen, sondern auch Entwicklungslinien und unterschiedliche hermeneutische Prämissen deutlich werden.


Arend, Jan, Jüdische Lebensge-schichten aus der Sowjetunion. Erzählungen von Entfremdung und Rückbesinnung, Köln/Weimar/Wien (Böhlau Verlag) (Lebenswelten osteuropäischer Juden 13) 2011 (177 S., 24,90 €).

Ausgangspunkt für diese Publikation war ein Projekt mit Studierenden der Universität Basel, in dem unter Leitung von Heiko Haumann Jüdinnen und Juden, die aus der ehemaligen Sowjetunion und anderen Ostblockstaaten stammten und heute in der Nähe von Lörrach an der Schweizer Grenze leben, interviewt wurden. Dabei ging es darum, die Lebensgeschichte dieser Jüdinnen und Juden kennen zu lernen und mit Blick auf Erinnerungsmuster und autobiographische Sinnkonstruktionen zu untersuchen. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei die retrospektive Deutung der jeweiligen lebensgeschichtlichen Erfahrungen.

In diesem Band sind insgesamt sieben Interviews zu lesen. Auf diese Weise treten den Lesern Lebenswege vor Augen, die wenig im Fokus der breiten Öffentlichkeit in Deutschland stehen und, wenn überhaupt, als Problem für die jüdischen Gemeinden wahrgenommen werden. Die Ein-führung in die Situation von Jüdinnen und Juden in der Sowjetunion seit ihrem Bestehen verhilft zu einem besseren Verstehen der individuellen, lebensgeschichtlichen Wege. Wie der veränderte Kontext in Deutschland für die autobiographische Sinnstiftung fruchtbar wurde und zu einer gestärkten jüdischen Identität geführt hat, wird in den Interviews ebenso wie den Analysen deutlich.


Burkard, Dominik/Garhammer, Erich (Hg.), Christlich-jüdisches Gespräch – erneut in der Krise? Würz-burg (Echter Verlag) (Würzburger Theologie 5) 2011 (315 S., 24,80 €).

Im Wintersemester 2008/2009 fand an der Katholisch-Theologischen Fa-kultät der Universität Würzburg eine Ringvorlesung statt, die sich den theologischen Herausforderungen, die das Judentum für christliche Theologie und christliches Selbstverständnis dar-stellt, zu stellen suchte. Dabei stellen der 70. Jahrestag der Reichspogrom-nacht, die Turbulenzen um die neue Fassung der Karfreitagsbitte sowie Verstimmungen um die Piusbruder-schaft den zeitgenössischen Kontext dar. Aus der jeweiligen Fachper-spektive widmen sich die einzelnen Beiträge der Würzburger Fakultäts-mitglieder jüdisch-christlichen Themen, von außen kommen weitere Beiträge von Wolfgang Frühwald, Erich Zenger und Heinz-Günther Schöttler hinzu. So spannt dieser Band den Bogen von einem Beitrag zu Pius XII., dem „schweigenden“ Papst, über die Reichspogromnacht im Raum Würzburg und Auschwitz als „Kulturbruch“ bis hin zu „Nostra Aetate“ und zwei Beiträgen zum Dokument der Päpstlichen Bibelkommission „Das Jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christ-lichen Bibel“ von 2001.


Kaufmann, Thomas, Luthers „Judenschriften“. Ein Beitrag zu ihrer historischen Kontextualisierung, Tübingen (Mohr Siebeck) 2011 (231 S., 29,00 €).

Luthers Sicht auf die Juden gehört zu den schwierigen und zugleich viel traktierten Themen des jüdisch-christlichen Gespräches, aber auch der protestantischen Selbstreflexion. Wegen der Bedeutung Luthers für die Ge-schichte des Christentums und aller protestantischen Denominationen wird der Antijudaimus Luthers, der mit seinen Positionen ja nun keineswegs allein stand, besonders deutlich wahrgenommen. Ausgewählt wurden für seinen Band jene Schriften Luthers, die vor allem zu Luthers Lebzeiten öffentlich wirksam geworden sind: „Daß Jesus Christus ein geborener Jude sei“ (1524/25), „Wider die Sabbather“ (1539), „Von den Juden und ihren Lügen“ (1544), „Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi“ sowie „Von den letzten Worten Davids“ (1550), die jeweils in mehreren Ausgaben auf Deutsch und Lateinisch erschienen sind. Kaufmann untersucht die jeweiligen Publikations- und Rezeptionsbedingungen und verbindet auf diese Weise die Analyse der Schriften mit ihren historischen Kontexten. Die deutliche Verschärfung, die im Ton und in der Sache über die Jahrzehnte deutlich wird, versucht er aus Luthers christologischen Positionen zu begreifen, der selbst mit Juden praktisch nie in Kontakt stand: „Je ‚evidenter’ es für den Exegeten Luther war, dass der in Jesus von Nazareth gekommene Christus im Alten Testament mannigfaltig und unüber-sehbar verheißen war, desto offenkundiger wurde die ‚Bosheit’ der Juden, die dies verleugneten. In der Entbehrung dieser ‚Bosheit’ der Judenheit, die nur zu ihrer Austreibung führen konnte, sah der alternde Luther einen der wichtigsten Dienste, den er der Christenheit leisten konnte“ (153).


Tasch, Roland, Samson Raphael Hirsch. Jüdische Erfahrungswelten im historischen Kontext, Berlin/New York (de Gruyter) (Studia Judaica 59) 2011 (488 S., 129,95 €).

Die 2010 als Dissertation an der Universität Potsdam angenommene Studie beleuchtet das Leben und die Schriften des Vordenkers der Neo-Or­thodoxie im 19. Jh. Samson Raphael Hirsch. Dabei ist die Arbeit biographisch angelegt und schildert entlang des Lebens von Samson Raphael Hirsch seine theologische Entwicklung. Die mitunter von der Sprachwelt des 19. Jh. affizierte Arbeit gliedert die zehn Kapitel in zwei Teile, deren erster Teil eher biographisch und deren zweiter Teil eher werkanalytisch angelegt ist.

Tasch füllt mit seiner Studie zum einen die Lücke einer Biographie des Rabbiners und vertritt im Blick auf seine Analysen der Schriften Hirschs zum anderen seine These mit Blick auf das Neue und Eigenständige, das Hirsch zu bieten hat: Dies seien die Arbeiten Hirschs zu den Themen Zeit, Kalenderfragen und Feste/Feiern; Tasch schreibt hierzu: „Hirsch betritt mit dem ‚Festkreis’ philosophisches Neuland. Das will sagen: In dem Begriff ‚Festkreis’ bringt Hirsch etwas zum Ausdruck, das noch nicht auf eine wissenschaftliche Tradition zurückgreifen kann. Zwar thematisieren seinerzeit auch christliche Forscher die religiösen Feste, aber das alles ist nichts gegen Samson Raphael Hirsch, dessen wuchtige Gedankenwelt den in den Kreislauf des Jahres eingeschriebenen Festkalender zum Beitrag des Judentums an der Entwicklung der Kultur des Menschengeschlechts macht“ (S. 23).


Paffenholz, Alfred, Tora, Sabbat und Schalom. Alltag und Tradition im Judentum, Ostfildern (Patmos-Verlag) 2011 (192 S., 14,90 €).

Unter neuem Titel ist 2011 das bereits 1995 publizierte Buch „Was macht der Rabbi den ganzen Tag?“ neu erschienen und ist lediglich durch-gesehen und redaktionell aktualisiert worden.


Toledot Yeshu (“The Life Story of Jesus”) Revisited. Ed. by Peter Schäfer/Michael Meerson/Yaacov Deutsch, Tübingen (Mohr Siebeck) (Texts and Studies in Ancient Judaism 143) 2011 (316 S., 99,00 €).

In diesem Sammelband sind fünf-zehn Beiträge einer Konferenz pub-liziert, die 2009 an der Princeton University zu der Schrift Toledot Yeshu stattgefunden hat, jener aus mittelalterlichen Manuskripten bekannten Erzählung über Jesus aus jüdischer Perspektive, die in vielen Sprachen und Versionen kursierte. Das Alter dieser Überlieferung sowie der die christliche Botschaft parodierenden Erzählung und ihrer historischen Kontexte sind nach wie vor umstritten.

Fünf Beiträge widmen sich der komplizierten Textgeschichte und den heute verfügbaren Manuskripten. Da-bei kristallisiert sich in den verschie-denen Beiträgen heraus, dass ein gemeinsamer Urtext, auf den alle Versionen zurückgehen würden, nicht mehr vertreten wird. Die weiteren Beiträge widmen sich einzelnen inhaltlichen Analysen bzw. deren historischen Kontexten. Diese reichen von Beziehungen zwischen Toledot Yeshu und der christlichen apokryphen Literatur, über die Verortung der Schrift in der jüdisch-muslimischen Debatte, bis hin zu Bezügen zum Buch Ester sowie der christlichen Rezeption der Toledot Yeshu.


Zenger, Erich/Frevel, Christian, Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart (Kohlhammer) (Studienbücher Theologie 1,1) 2011 (878 S., 29,90 €).

Die von Erich Zenger initiierte „Einleitung in das Alte Testament“ ist seit 1995 nicht nur beträchtlich angewachsen, sondern ist in diesen 16 Jahren vielfach aktualisiert, überarbeitet und ergänzt worden. Aufgrund des plötzlichen Tods von Erich Zenger im Jahr 2010 hat Christian Frevel die Herausgeberschaft übernommen. Nun liegt die achte Auflage mit verändertem Design und in Überarbeitung vor: „Dabei handelt es sich um Anpassungen an den Forschungsstand und eine noch transparentere Darstellung der aktuellen Forschungsfragen. In vielen Beiträgen wurden die Verständlichkeit und die Ausrichtung an den Studierenden als Zielpublikum verbessert“ (S. 10). Stärker wurden zudem die Abschnitte von Erich Zenger zum Pentateuch und den Psalmen durch Christian Frevel überarbeitet.


Graf, Peter/Ucar, Bülent (Hrsg.), Religiöse Bildung im Dialog zwischen Christen und Muslimen, Stuttgart (Kohl-hammer Verlag) 2011 (259 S., 29,90 €).

In dem derzeit intensiv geführten Diskurs um islamischen Religions-unterricht an Schulen und die Aus-bildung der Lehrer an staatlichen Universitäten diskutiert dieser Band in der neuen Reihe „Interreligiöser Dialog in gesellschaftlicher Verantwortung“ unterschiedliche Aspekte. Interessant daran ist zweierlei: Erstens ist dieses Forum finanziert von der Eugen-Biser-Stifung und somit initiiert aus christlich-katholischer Perspektive; damit zusammenhängend zweitens ist interessant, dass nur ein Beitrag die jüdische Perspektive einbezieht; dieser stammt von Walter Homolka, der seine Sicht auf die akademische Rabbinerausbildung beschreibt.


Theune, Claudia/Walzer, Tim, Jüdische Friedhöfe. Kultstätte, Erinnerungsort, Denkmal, Wien / Köln / Weimar (Böhlau Verlag) 2011 (302 S., 35,00 €).

Dieser Band stellt zwölf interessante Beiträge zum Thema des jüdischen Friedhofs zusammen, wobei ein besonderes Augenmerk auf denkmal-pflegerische und restauratorische Aspekte gelegt wird. Als besonders anregend seien drei Beiträge hervorge-hoben: erstens die Frage nach der Rezeption sefardischer Grabkunst in der Alten und Neuen Welt, dem jüdischen Mäzenatentum zwischen Assimilation und Identitätsstiftung in Wien zwischen 1800-1930 sowie der Beitrag zu dem größten noch bestehenden jüdischen Friedhof Europas in Berlin-Weißensee.


Tilly, Michael/Zwickel, Wolfgang, Religionsgeschichte Israels. Von der Vorzeit bis zu den Anfängen des Christentums, Darmstadt (Wissen-schaftliche Buchgesellschaft) 2011 (220 S., 29,90 €).

Keel, Othmar, Jerusalem und der eine Gott. Eine Religionsgeschichte, Göttingen/Oakville, USA (Vandenhoeck & Ruprecht) 2011 (128 S., 19,95 €). 

Zwei neue und für ein breites Publikum gedachte Bände sind zur Geschichte Israels neu erschienen, die jeweils unterschiedliche Akzente setzen:

Das Buch von Michael Tilly und Wolfgang Zwickel nimmt einen langen Zeitraum in den Blick vom Neolithikum (10.000 v.u.Z.) über die persische Zeit (Zwickel) bis zur Entstehung des Chris-tentums und den unterschiedlichen Strömungen im hellenistisch-römischen Judentum (Tilly). Dabei liegt der Fokus jeweils auf der Religionsgeschichte, die sich aber nicht nur auf Israel beschränkt, sondern auch die Nachbarkulturen in den Blick nimmt (Ugarit, Aram, Moab, Edom). Dabei wird in erster Linie das archäologische und epigraphische Mater-ial ausgewertet. Zudem bilden Themen wie z.B. die Aufgaben des Königs eigene Kapitel. Das Buch wird durch ein thema-tisch gegliedertes und kommentiertes Literaturverzeichnis beschlossen.

Othmar Keels Religionsgeschichte fokussiert den Blick auf Jerusalem und die Entstehung des Monotheismus. Mit diesem geographischen wie thema-tischen Schwerpunkt wird die Religions-geschichte an dem für die Entwicklung Israels und des Judentums zentralen Ort exemplifiziert. Der vorliegende Band ist die Kurzfassung des 2007 vorgelegten und gut 1200 Seiten umfassenden Werks „Die Geschichte Jerusalems und des Monotheismus“. Auf diese Weise erlaubt die auf ein Zehntel reduzierte Kurzfassung einen guten Überblick über die Thesen Keels zur Entstehung des Monotheismus und seinem Konzept einer sog. „vertikalen Ökumene“. Die Kurzfassung ermöglicht zugleich, ein-zelne Themen in der „großen“ Ausgabe intensiver zu studieren. Anschaulich wird der Band durch das archäolo-gische Material und Karten.

Beide Bände geben Leserinnen und Lesern gute Orientierung in der Re-ligionsgeschichte Israels und setzen zugleich jeweils eigene Schwerpunkte und Akzente; insofern ergänzen sich beide Bände – auch da, wo sie unterschiedliche Thesen vertreten.   

 

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